Journalisten beim WAZ müssen nicht recherchieren können

Hier haben wir einen WAZ-Artikel zu Cannabis, der es wieder in sich hat: Alle neueren Mythen werden hochgeholt, und das alles aus der Sicht einer -eher vom Heroinkonsum – betroffenen Mutter. Eine Aufzählung: Gengras, das viermal Stärker ist „als herkömmlich angebautes“, Die Einstiegsdrogentheorie, und der Klassiker von allem: Der gefährliche Umkehrschluss, dass Cannabis ja gefährlich sein müsse, da viele Junkies auch Cannabis konsumieren würden. Auch dass die Cannabiskonsumenten immer jünger werden ist dabei.

Kommen wir zum Thema des Artikels, denn anscheinend müssen WAZ Journalisten bei ihrer Ausbildung nicht lernen, korrekt zu recherchieren. Eine Eingabe von „Gen Gras“ bringt einen schonmal weiter. Die Kollegen von Freenet haben besser Recherchiert: Sie nennen sowohl den Bericht der EU-Drogenkommission, dass es keinen Anstieg des Wirkstoffgehaltes geben würde. Auch die Bundesregierung musste zugeben, dass sie kein „Gengras“ kennt.

Im Hanf Museum haben wir ein tolles Selbstbildnis von Gustave Courbet zu hängen, dass ihn mit 24 Jahren beim Haschischrauchen zeigt.

Gustave Coutbet Selbstbildnis mit 24 Jahren, beim Haschischrauchen

Ein Skandal zu der damaligen Zeit – es zeige ein Vergnügen, dass den „Alten“ vorbehalten sei. Das war vor 150 Jahren… seit dem ist belegt dass die Kiffer immer jünger werden. Nichts neues, aber immer für eine Aufregung wert..

Auch die Theorie der Einstiegsdroge ist seit 1997 wiederlegt:

Für Cannabis ist die Einstiegsdrogen-Theorie schon länger widerlegt, so heißt es in der vom Bundesgesundheitsministerium unter Horst Seehofer beauftragten Studie von Dieter Kleiber und Renate Soellner: „Die Annahme, Cannabis sei die typische Einstiegsdroge für den Gebrauch harter Drogen wie Heroin, ist also nach dem heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand nicht haltbar.“[1]. Weiterhin ist eine Studie von Peter Cohen und Arjan Sas aus dem Jahr 1997 am Beispiel von Amsterdam erschienen, die auch dazu beitrug, den Mythos der „Einstiegsdroge Cannabis“ zu entkräften.[2]

(Quelle: Wikipedia)

Aber neeeeein, von Google haben WAZ Journalisten – und auch Redakteure die diesen Mist zulassen – noch nie etwas gehört!

Elisabeth Falcone winkt ab. „Wenn wir schon das Alkoholproblem haben”, sagt sie, „müssen wir doch nicht noch das Cannabis-Problem vergrößern.” (WAZ)

Nur leider vergisst die gute Frau, dass der real existierende Schwarzmarkt überhaupt nicht kontrollierbar ist – im Gegensatz zu einem geregelten öffentlichen Markt. Aber dass muss ja nicht im Artikel erwähnt werden… Augen zu, Aus dem Sinn.

2 Kommentare zu “Journalisten beim WAZ müssen nicht recherchieren können

  1. Es ist eine Tatsache, dass der THC-Gehalt beim Hanf in den letzten Jahren infolge gezielter Züchtung angestiegen ist.

    Hallo Hanfjunky,

    ich zitiere hier mal einen tollen Text, die du über den Link in meinem Namen beim Hanfverband findest:

    Zitat:

    Das Justizministerium des Landes hat in einer Medien-Information vom 9. Juli 2006 als einen Grund für die Absenkung genannt: “In den letzten Jahren sei der Wirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol) bei Cannabis drastisch gestiegen”. Hinter dieser Aussage steht die Meinung, mit dem Anstieg des Wirkstoffs sei Cannabis so gefährlich geworden, dass hierin das Hauptargument gesehen werden muss, die strafrechtliche Verfolgung aufrecht zu erhalten. Es heißt, Cannabis sei nun keine weiche Droge mehr, der Anstieg des THC-Gehaltes mache frühere Untersuchungen wertlos, es müsse daher neu geforscht werden. Das verschafft Zeitgewinn und ist ganz im Sinne der schwarz-roten Bundesregierung. Sie beauftragte Rainer Thomasius 2005 mit einer Literaturstudie zu den neuesten Ergebnissen der Forschung. Die Wahl des Experten zeigt die Absicht der Regierung. Thomasius hat in den letzten Jahren am lautstärksten die Notwendigkeit des Cannabis-Verbots verkündet. Wo ihm die Beweisführung fehlt, hilft das Orakel. So schreibt er zum Beispiel, ohne es zu belegen: “Es gibt Hinweise darauf, dass hohe THC-Gehalte die Gesundheitsrisiken des Cannabiskonsums steigern” (MschrKrim 89, 2006, S. 108).

    Vom gesundheitlichen Standpunkt hingegen sind höhere THC-Werte nicht zu verwerfen, sondern zu begrüßen, weil mit einem höheren Wirkstoffanteil die gewünschte Wirkung mit einer geringeren Rauchbelastung der Lunge erreicht werden kann. Die Rechnung ist einfach. Wer 0,5 g Cannabis mit einem Wirkstoffgehalt von 2% raucht, erzielt dieselbe Wirkung wie jemand, der 0,1 g Cannabis mit einem Wirkstoffgehalt von 10% raucht, aber inhaliert ein Vielfaches an Teer und anderen Reiz- und Giftstoffen. Da die Cannabis-Wirkung rasch einsetzt, trifft der Einwand nicht, dass die Menge, die inhaliert wird, nicht steuerbar sei.

    Im Übrigen ist der Anstieg der THC-Werte nicht so drastisch, wie behauptet wird. Eine 2004 erhobene Studie der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) ist zu dem Ergebnis gelangt, dass “keine Hinweise auf einen bedeutenden Anstieg des Wirkstoffgehalts” in den europäischen Cannabismärkten vorliegen. Allerdings kann mit einem weiteren Anstieg des Wirkstoffgehalts gerechnet werden. Je mehr unter dem Verfolgungsdruck Cannabis nicht auf dem Feld unter der Sonne reift, sondern in engen Räumen unter Kunstlicht, desto mehr erhöht ein hoher THC-Gehalt die Rentabilität. Die höheren THC-Werte sind eine Folge des Verbots selbst. Nun werden sie als Argument benutzt, um das Verbot zu begründen.

    und noch eine gute info dazu:
    http://www.cannabislegal.de/cannabisinfo/wirkstoffgehalt.htm

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