Medizinisches Cannabis wird Mainstream

David Goldman hat chronische Kopfschmerzen, aber die Hilfe ist auf dem Weg. Ein Fahrer hält vor seinem Haus und klingelt an der Tür, überprüft Goldmans Ausweis und übergibt dann eine kleine Tüte mit Marihuana.

„Es ist wirklich toll, den Lieferservice zu haben“ sagt Goldman, ein zur Ruhe gesetzter Lehrer, der sein medizinisches Marihuana etwa einmal die Woche von dem „Grünen Kreuz“ bestellt, einem Lieferservice für medizinisches Marihuana. „Ich vertraue ihrem Produkt und sie sind preisgünstig.“

Für das „Grüne Kreuz“ in San Francisco ist es die überlegung Kaliforniens, Marihuana zu legalisieren, ein Zeichen wie sehr Gras in dem Mainstream angekommen ist. Eine Abgabestelle für medizinisches Marihuana ist ähnlich wie jedes andere Geschäft auch: Es nimmt Kreditkarten an, es ist auf Yelp (einer Empfehlungsseite für San Francisco) und verspricht Lieferung innerhalb von einer Stunde – es gibt sogar 10 Dollar Rabatt wenn sich die Lieferung verspätet.

„Die Fahrer sehen ordentlich aus, professionell und bringen die Ware in diskreten weissen Papierbeuteln, schrieb ein Nutzer auf Yelp. „Es ist wie Pizza bestellen, aber, natürlich, viel besser“ schrieb ein anderer.

Green Cross in Kalifornien

Seit dem November 1996, als die WählerInnen in Kalifornien dem Gesetz „Prop. 215“ zustimmten, hat sich medizinisches Marihuana immer weiter seinen Weg in den Mainstream gebahnt.

In dreizehn Bundesstaaten, dazu gehören Maine, Michigan, Montana und Neu Mexiko, sind Gesetze erlassen worden, die es schwerstkranken den Zugang zu medizinischem Marihuana ermöglichen.

Es gibt auch zwei berühmte Persönlichkeiten: Die Sängerin Melissa Etheridge, die Marihuana nutzt um die Nebenwirkungen ihrer Chemotherapie zu mindern, wirbt für die Legalisierung. Der bekannte Talkshowmaster Montel Williams spricht offen über die Nutzung von Marihuana um die Schmerzen seiner Multiplen Sklerose zu mindern.

Das Grüne Kreuz hat seinen Sitz in der Wohnung des Besitzers und Gründers Kevin Reed in einem grossen viktorianischen Haus. Dort arbeiten 19 Personen um Brownies zu backen und anderes THC-haltiges zum Essen. Sie arbeiten in einem Lager mit mehr als 40 Sorten von Marihuana, die wechseln (eine Unze, etwa 28 Gramm, für 310 Dollar) sowie bearbeiten Bestellungen.

Die Arbeiter im Büro haben Headsets auf um die Bestellungen nach medizinischen Marihuana zu beantworten. Um 10 Uhr geht es los – und das Telefon klingelt nonstop. Der Lieferservice startet Mittags und endet um 19 Uhr. Meistens gibt es eine grosse Welle von Bestellungen am ende des Tages.

Die Fahrer nutzen eine Flotte von Smarts, um die Hügel der Stadt zu bezwingen. An einem guten Tag machen die Fahrer etwa 25 Lieferungen.

„Personen, die keine Krankenversicherung haben, nutzen am meisten medizinisches Marihuana“ sagt Reed, ein Mensch aus Alabama, der das Grüne Kreuz vor fünf Jahren gegründet hat. „Der Lieferservice ist sehr wichtig für einige unserer Patienten. Sie kommen sprichwörtlich nicht aus ihren Betten. Es ist für mich wie heisse Pizza: Wenn die Bestellung drin ist, willst du sie innerhalb von 20 Minuten an ihrer Tür haben.“

Auch andere Abgabestellen in Kalifornien liefern. Das Grüne Kreuz ist eines der größten von ihnen. Sie haben etwa 2500 aktive Patienten auf ihrer Liste, wie sie ihre Kunden nennen. Einige haben Probleme mit Depressionen oder chronische Schmerzen – andere haben AIDS oder Krebs.

Reed wuchs in Mobile, Alabama auf. Er begann mit dem rauchen von Marihuana – er mag es lieber wenn man den lateinischen Namen nutzt, Cannabis – vor Jahren, als er seinen Rücken in einem Autounfall verletzte. Seit der Zeit, als er keine Gesundheitsversicherung mehr hatte, war Marihuana einfacher zu bekommen als Schmerzmittel. Er zog nach Kalifornien um vor 13 Jahren – kurz nachdem die WählerInnen das Gesetz 215 abstimmten, und war seitdem in die medizinische Marihuana Bewegung involviert.

Er began mit dem Grünen Kreuz als kleine Abgabe in Noe Valley aber beschwerden der Nachbarn über die vielen Besuche zwangen ihn zu schliesen. Auch in einer anderen Gegend, Fisherman’s Wharf, beschwerten sich andere Geschäfte, dass es Touristen verschrecken könnte.

Reed entschied sich, sein medizinisches Marihuana von Zuhause aus als Lieferdienst zu betreiben. Er mochte die Idee, weil es den Stress mit den Nachbarn vermeidet, aber er lernte auch schnell, dass es sehr gut bei den Kunden ankommt.

Reed hält sich an die Regeln: Patienten müssen ihm eine originale Empfehlung von dem Arzt zeigen, der medizinisches Marihuana verschreibt und er überprüft ob die Lizenz des Doktors aktuell ist.

Quelle: 11. Juli 2009, SunJournal, von Dana Hull, San Jose Mercury News. Via Marijuana.com.

Update

Ebenfalls lesenswert in der FAZ Ausgabe vom 13.7.2009 ist ein Bericht über das Pharmaunternehmen Bionorica (Neumarkt/Oberpfalz), dass aus Drogenhanf ein Blockbuster-Arzneimittel entwickelt, den Drogenhanf aber dazu aus Österreich importieren muss: „Wir arbeiten an zwei Blockbustern“

Als besonders erfolgversprechend bezeichnet der Bionorica-Chef zwei Entwicklungsprojekte, deren Zulassung spätestens 2010 zu erwarten sei. Dabei handelt es sich um ein Atemwegsprodukt und ein Medikament auf Basis von Drogenhanf. „Das werden Blockbuster“ hofft Popp „Das Hanfprodukt beispielsweise könne Schwerkranken eine große Hilfe
bringen: Es verbessert die Stimmung und damit die Schlafqualität, erhöhe den Appetit und verringere den Brechreiz, es wirke gegen Schmerzen und lasse sich sogar gegen Phantomschmerzen nach Amputationen einsetzen.“

Ein Kommentar zu “Medizinisches Cannabis wird Mainstream

  1. Steve Kubby hat auch ein Pharma-Unternehmen (Cannabis Science) gegründet, das Präparate aus Drogenhanf entwickeln will. Er hat selber Krebs und dank Marihuana lebt er heute noch (sagt sein Arzt). Steve hat auch eine wichtige Rolle bei Prop. 215 gespielt. s. http://www.kubby.com

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