Portugal: Gute Ergebnisse durch die Entkriminalisierung aller Drogen

Lissabon, 1.7.2011: Gesundheitsexperten in Portugal sagten am Freitag, dass die Entscheidung der Regierung vor 10 Jahren, Drogenkonsum zu entkriminalisieren und Abhängige zu behandeln anstelle zu bestrafen, ein gelungenes Experiment ist.

„Es gibt keinen Zweifel, dass das Phänomen der Abhängigkeit in Portugal zurückgeht,“ sagte Joao Goulao, Vorstand des Institutes für Drogen und Drogenabhängigkeit auf einer Pressekonferenz, der das 10. Jubiläum des Gesetzes vorstellte.

Die Zahl der Abhängigen, die als „problematisch“ angesehen werden – jene, die wiederholt „harte“ Drogen nutzen und intravenöse Nutzer – ist seit den frühen 1990er Jahren um die hälfte gefallen. Damals wurde ihre Anzahl auf etwa 100.000 geschätzt, so Goulao.

Andere Faktoren trugen aber auch ihren Teil dazu bei, so Goulao. „Die Entwicklung kann nicht nur der Entkriminalisierung zugeschrieben werden, sondern auch der Behandlung und den Maßnahmen zur Schadensminderung.“

Portugals ganzheitlicher Ansatz hat auch zu einer „spektakulären“ Reduktion in der Zahl von Infektionen bei intravenösen Nutzern geführt, sowie zu einem signifikanten Rückgang von drogenbezogener Kriminalität, fügte er hinzu.

Das Gesetz ist am 1. Juli 2001 in Kraft getreten und legalisierte nicht den Drogenkonsum, sondern zwingt die gefassten Nutzer der verbotenen Substanzen vor ein spezielles Kommitee zu Drogenabhängigkeit, und nicht wie zuvor in den Gerichtshof.

Die Kommitees bestehen aus drei Personen: einem Psychologen, einer von dem Justizministerium gestellten Person mit juristischen Hintergrund und einem Sozialarbeiter, die spezifisch zu jedem Fall Empfehlungen aussprechen. Seitdem hat dieses Kommitee Empfehlungen ausgesprochen, die hauptsächlich betrachten, ob das Individuum ein Gelegenheitsgebraucher oder ein Anhängiger ist.

Von den nahezu 40.000 Personen, die zur Zeit behandelt werden, werde „die große Mehrheit an problematischen Nutzern heutzutage von einem System unterstützt, welches sie nicht als Delinquenten behandelt, sondern als kranke Personen“, sagte Goulao.

Die europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogenabhängigkeit (EMCDDA)nahm in einer Veröffentlichung in der letzten Woche Stellung und berichtete, dass Portugal mit dem Problem „in einer pragmatischen und innovativen Weise“ umgegangen sei. Die Statistik zum Drogenkonsum sind generell „niedriger als der europäische Durchschnitt und viel niedriger als bei seinem europäischen Nachbarn, Spanien“, so der Bericht.

„Die Änderungen, die in Portugal durchgeführt worden sind zeigen interessante Vorher-Nachher Effekte einer möglichen Entkriminalisierung“ sagte die EMCDDA.

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