Gesundheitsministerium Bayern redet nicht mit Bürgern, aber mit Scientology

Kifferwegweiser des Bayerischen Gesundheits und Pflegeministerium

Anfang des Jahres stellte das Bayerische Gesundheits- und Pflegeministerium den sogenannten „Kifferwegweiser“ auf ihre Facebookseite. Dieser Kifferwegweiser holt mal wieder alle Vorurteile hervor, die es in der Mottenkiste so gibt. Was mich insbesondere gewurmt hat, ist ganz oben, dass Cannabis eine Einstiegsdroge sei. Auf tiefergehende Nachfragen gab es keinerlei Antworten mehr. Dafür wird einer Scientology-Tarnorganisation, welche ohne Grundlage Personen Therapieren möchte, ausführlich geantwortet. Auch das auf Facebook verlinkte Peer-Projekt „Mindzone“ hat sich am 3.2.2015 von dieser Grafik explizit distanziert.

Dies veranlasste mich beim Ministerium nachzufragen, auf welcher wissenschaftlichen Grundlage dies passiert sei. Ich übersendete dazu auch weitere Informationen zu Studien, die man auf der Wikipedia unter „Einstiegsdroge“ nachlesen kann. Sogar die Wissenschaftlerin, die dieses Wort in die Welt gesetzt hat, redet davon das Tabak/Nikotin wenn dann die Einstiegsdroge sei und nicht Cannabis.

Als Antwort kam folgende, mittlerweile nicht mehr wissenschaftlich haltbare Aussage:

[..] Hier geht es um möglichst direkte Ansprache und nicht um grundsätzliche drogenpolitische Positionierungen.
Wir halten unverändert an unser Haltung zu Cannabis als Einstiegsdroge fest. Keineswegs allein wegen der pharmakologischen oder suchtrelevanten Wirkungen von Cannabisprodukten.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang vielmehr, dass bei der ganz überwiegenden Zahl später regelmäßig illegal drogenkonsumierenden Menschen der Einstieg in diese“ Karriere“ über den Cannabiskonsum erfolgt ist und somit die psychologisch ganz wichtige Hemmschwelle für den Eintritt in den illegalen Konsum stattgefunden hat.
Zu den zitierten Studien aus den 19-er Jahren, deren Aktualität schon wegen des Zeitabstands zu hinterfragen ist, besteht insoweit gar kein Widerspruch.

Freundliche Grüße
A.Z. (Zensiert durch die Behörde, die durch unsere Steuergelder lebt)
Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Haidenauplatz 1
81667 München
Telefon: +49 (0)89 540233-Zensiert durch die Behörde, die durch unsere Steuergelder lebt
E-Mail: Zensiert durch die Behörde@stmgp.bayern.de

Sammeltelefonnr: Pressereferat: 089 540233-955

Auf den netten Hinweis, dass eine der Studien der WHO aus 2010 ist und warum denn die aktuellen Informationen nicht mit einbezogen werden kam: Stille im Wald.

Allerdings kann ich sehen, dass Frau Z. meine eMails liest durch die Empfangsbestätigung.

Dies ging nun bisher so weiter.

Nun kommt aber der Kracher – mit interessierten Bürgern wird anscheinend nicht gesprochen, aber mit „Sag nein zu Drogen“, einem bekannten Ableger von Scientology.

Scientology ist bekannt dafür, sich in Drogenpolitik einzumischen, insbesondere mit Geld. So wird versucht, abhängig konsumierende in die „Therapieeinrichtung“ von Scientology zu bekommen. Dort wird die Abhängigkeit von einer Droge durch eine Gruppe ersetzt. In Berlin war es in den 90er Jahren ein großer Skandal, dass Scientology Menschen therapieren „darf“, ohne Grundlage. Weiteres dazu auf der Webseite Ingo Heinemann: Über Narconon, die Drogentherapie von Scientology.

Sehr geehrter Herr Dranger,
sehr gerne können Sie unsere Grafik nachbauen.
Wir möchten Sie in Zusammenhang mit der Grafik allerdings darauf hinweisen, dass es zum Cannabis-Posting auf unserer Facebookseite mit diesem Bild zu einer hefigen Diskussion von Cannabislegalisierungsbefürwortern gekommen ist.
Bei Fragen bin ich gerne für Sie da.
Freundliche Grüße

A.Z.
Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Haidenauplatz 1
81667 München
Telefon: +49 (0)89 540233-Zensiert durch die Behörde, die durch unsere Steuergelder lebt
E-Mail: Zensiert durch die Behörde@stmgp.bayern.de

als Antwort auf die Anfrage von einem „Joachim Dranger“:

Von: Joachim Dranger [mailto:info@sag-nein-zu-drogen.info]
Gesendet: Montag, 22. Juni 2015 21:23
An: S.Z. (StMGP)
Betreff: Fwd: Re: Grafik/Facebook

Gruß zuvor!
Ich hatte in der letzten eMail angefragt, ob wir diese Grafik nachbauen dürfen, aber leider keine Antwort erhalten. Ich möchte Sie hiermit wiederum anfragen.
Vielen Dank im Vorraus, J. Dranger


www.SAG-NEIN-ZU-DROGEN.info
Sag NEIN zu Drogen – Sag JA zum Leben
Verein für Drogenaufklärung
Postfach 500126
80971 München
Postanschrift
Waldfriedhofstr. 30 – 81377 München

Offenbar steht das StMGP solchen menschenverachtenden Organisationen näher als interessierten und kritischen Bürgern.

Abgeordnetenwatch: Mehr Drogentote in Bayern als in Tschechien

Ich stelle der Drogenbeauftragten Mechthild Dyckmans (FDP) wieder eine Frage, diesmal geht es um die statistischen drogenbezogenen Toten. Wenn man die Zahlen vergleicht (die Links dazu weiter unten), kommt man darauf, dass in Bayern fünfmal mehr „Drogentote“ jedes Jahr sind als in Tschechien. Tschechien hat erst vor kurzem eine Entkriminalisierung von Drogenbesitz durchgeführt, daher sollten die aktuellen Zahlen noch krassere Verhältnisse darstellen. Bayern hat eine bessere gesundheitliche Versorgung aber ist Repressiver gegenüber Drogen – das ist der Politik dort zu verdanken.

Hier der Text:

Update: Am 21. Mai Interessieren sich schon 43 Personen für die Antwort der Drogenbeauftragten! 27.5.: 85 Personen…

Werte Frau Dyckmans,

am 21.12.2009 antworteten Sie auf die Frage von Herrn Schwab, dass Tschechien kein Vorbild in der Drogenpolitik sein könnte. Dazu folgende Zahlen:

Drogentote Bayern: 2008: 247; 2009: 250
www.bka.de

Drogentote Tschechien: 2006: 42; 2007: 40
www.emcdda.europa.eu

Einwohnerzahl Bayern: 12.501.200 (31. Juli 2009)
de.wikipedia.org

Einwohnerzahl Tschechien: 10.501.197 (30. September 2009)
de.wikipedia.org

Bayern: 2,00 Drogentote pro 100.000 Einwohner Tschechien: 0,38 Drogentote pro 100.000 Einwohner

Meine zwei Fragen dazu sind, warum in Bayern fünfmal mehr Personen drogenbezogen Sterben als in Tschechien, wenn hierzulande eine so viel bessere gesundheitliche und präventive Versorgung besteht? Zum anderen, wäre es denkbar, dass die Politik der Repression eine viel größere Rolle spielt, als die deutsche Politik annimmt, wie auch Studien der UNO und der Reuter Trautmann-Bericht nahelegen?

mit freundlichen Grüßen,

Update – die Antwort

Hier kommt nun die Antwort von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, auf die oben gestellte Frage. Anscheinend nimmt sie die „Drogentoten“ und die Frage danach persönlich. Ihre Frage, warum ich nicht Bundesländer vergleiche, kann ich ganz einfach beantworten: Es geht genau um die anderen Grundvoraussetzungen zwischen Bayern und Tschechien: Vor allem unterscheidet sich die Drogenpolitik, ansonsten nur eine Grenze.

Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre erneute Anfrage.

Zuerst einmal möchte ich betonen, dass ich den Tod von jedem Drogentoten zutiefst bedauere.

Die Drogentodeszahlen sind in Deutschland um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Im Jahr 2009 kamen 1.331 Menschen durch den Konsum illegaler Drogen ums Leben. Der Rückgang der Zahl der Drogentoten in Deutschland auf den drittniedrigsten Stand der letzten zehn Jahre zeigt, dass die Drogentodeszahlen langfristig sinken.

Überdosen von Heroin und Mischkonsum von Heroin mit anderen Drogen sind allerdings immer noch die häufigsten Todesursachen. Weiter angestiegen sind die Todesfälle aufgrund gesundheitlicher Langzeitschädigungen. Ihr Anteil ist von 11 % (2006) auf rund 20 % (2009) der Verstorbenen angestiegen.

Diese Entwicklung bestätigt, dass die Angebote zur gesundheitlichen Versorgung für Drogenabhängige notwendig sind und eine Überlebenshilfe darstellen. Die Drogenpolitik in Deutschland zielt auf Einhaltung der gesetzlichen Verbote und auf Angebote zur Schadensminimierung. Unverzichtbare Hilfs- und Behandlungsangebote sind deshalb: Maßnahmen zur Schadensreduzierung, wie die qualitätsgestützte Substitutionsbehandlung mit Methadon oder Buprenorphin, Drogenkonsumräume, Spritzentausch und Kontaktläden sowie die diamorphingestützte Behandlung, die derzeit in die Regelversorgung überführt wird.

Zu Ihrem Vergleich von Bayern und Tchechien kann ich nur entgegnen, dass die Zahlen kaum vergleichbar sind, da in anderen Ländern andere Grundvoraussetzungen bestehen. Ich könnte auch die Gegenfrage stellen, warum Sie nicht die Zahlen der tchechischen Drogentoten mit denen der Bundesländer Mecklemburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vergleichen. Diese Bundesländer hatten zum 31. Dezember 2009 zusammen 10,2 Mio. Einwohner. Die Zahl der Drogentoten betrug in diesen Ländern insgesamt 38 Todesfälle.

Mit freundlichen Grüßen
Mechthild Dyckmans

Münchener: Augen auf beim Graseinkauf: Blei im Gras gefunden

Wie der Deutschen Hanf Verband berichtet, kam es zu weiteren Bleivergiftungen durch verseuchtes Marihuana. Gemeldet wurde aus München, jedoch dürfte die Verteilung weitaus breiter sein.
München: Blei im GrasIm Blut betroffener Cannabiskonsumenten, die unter Vergiftungserscheinungen leiden, wurden hohe Bleiwerte gemessen. Das von ihnen konsumierte Marihuana wies eindeutige Spuren von Blei auf.

Damit wird ein neues Kapitel einer dramatischen Entwicklung aufgeschlagen.

Hier der Link zu der Sammlung häufiger Fragen zu dem Blei-im-Gras Komplex von den Drugscouts in Leipzig

Ende 2007 war es zu einer Massenbleivergiftung durch Marihuana im Raum Leipzig gekommen. Seit dem 2. Weltkrieg hatte es in Deutschland keine derartige Serie von Bleivergiftungen mit über 100 Betroffenen mehr gegeben.

Einige Symptome einer Bleivergiftung

Magen-Darm-Beschwerden, schwere Bauchkrämpfe, langsamer Puls, hoher Blutdruck, Hirnschädigung („Bleidemenz“), Nervenschädigung, Zittern/Tremor, Muskelschwäche, Bleisaum am Zahnfleischrand, Nierenschädigung. Im Extremfall besteht sogar Todesgefahr. In Leipzig mussten einige Patienten auf die Intensivstation.

Da sich das Phänomen bisher auf den Raum Leipzig beschränkt hatte und auch dort seit einem Jahr keine neuen Fälle mehr bekannt geworden sind, ist das Thema in Vergessenheit geraten.

Mit den neuen Fällen aus Bayern ist nun klar: es handelt sich weder um ein räumlich, noch zeitlich begrenztes Problem. Die Betroffenen gehen davon aus, dass viele weitere Konsumenten betroffen sind, die noch nicht beim Arzt waren. Eine öffentliche Warnung ist also dringend erforderlich.

Georg Wurth, Sprecher des Deutschen Hanf Verbandes betont: „Nur der Verkauf von Cannabis in Fachgeschäften kann dafür sorgen, dass Vier Millionen Cannabiskonsumenten in Deutschland vor skrupellosen Geschäftemachern und gefährlichen Streckmitteln geschützt werden. Der legale Anbau einiger Pflanzen wären ein sinnvoller erster Schritt. Bleibt zu hoffen, dass die Bundesregierung ihre Blockadehaltung im Interesse der Gesundheit der Konsumenten endlich aufgibt.“

Mehr zum Thema:

Quelle: PM des DHV

Für Nachfragen und Vermittlung von Kontakten zu Betroffenen steht Georg Wurth vom Deutschen Hanf Verband zur Verfügung: Dunckerstr. 70 10437 Berlin Tel: 030-44716653 Fax: 030-44716654 email: Georg.Wurth@hanfverband.de Homepage: www.hanfverband.de

Kommentar vom Hanf Journal zu Blei im Gras