Gescheiterter Versuch in Frankreich erinnert an Rimonabant

Aktuell ist in den Medien der Fall dass in Frankreich in einer Pharmatestreihe, welche am Endocannabinoidsystem ansetzen sollte, zu schweren Schäden bei Personen sowie einem Todesfall geführt habe. Dies erinnert doch sehr an das Medikament Rimonabant (Acomplia®), welches auch auf Cannabinoidrezeptoren wirken sollte und erhöhte Suizidgefahr mit sich brachte.

Rimonabant ist ein Arzneistoff der von dem Unternehmen Sanofi-Aventis als Appetitzügler und damit zur Behandlung von Übergewicht entwickelt wurde. Rimonabant greift in das körpereigene Cannabinoid-System (Endocannabinoidsystem) ein und vermittelt seine Wirkung über eine Hemmung von Cannabinoid-Rezeptoren des Subtyps CB1. In den USA wurde die Substanz wegen ihrer psychiatrischen Nebenwirkungen nicht zugelassen, in der EU führte eine intensive Diskussion der Risiken von Rimonabant im Oktober 2008 zu der Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur, die Zulassung ruhen zu lassen.

Eigentlich war die Überlegung hinter Rimonabant genial: Der durch Cannabiskonsum vorkommende gesteigerte Appetit – zum Beispiel in der Chemotherapie und AIDS Behandlung eingesetzt – basiert auf Rezeptoraktivität. Wenn man nun diesen Rezeptor hemmt, müsste man keinen Appetit mehr verspüren.

Mittlerweile wissen wir aber, dass überall im Körper Rezeptoren für Cannabinoide vorkommen und nicht nur im Magen. Bisherige Medikamente auf Basis von Cannabinoidmimetika – also Stoffe die ähnlich den Cannabinoiden sind – zeigen ihre Nachteile: im Gegensatz zur pflanzlichen Mischung wirken sie (noch?) nicht so gut und umfassend, bis hin zu schweren Nebenwirkungen, wie bei Rimonabant und dieser neuen Testreihe in Frankreich.

Siehe auch Wikipedia Rimonabant

Auch andere Pflanzen erzeugen Cannabinoide

„Helichrysum basalticum 1“ von Stan Shebs. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Helichrysum_basalticum_1.jpg#/media/File:Helichrysum_basalticum_1.jpg

Viele Jahre glaubte man, dass Cannabis als einzige Pflanze in der Lage sei, Cannabinoide zu produzieren – daher kommt auch der Name dieser Stoffe. In den letzten Jahren wurde natürlich weitergeforscht, und Studien veröffentlicht, die beweisen, dass Cannabis keineswegs die einzige Pflanze ist, die diese Stoffe erzeugt. Dies ist nicht nur selten, sondern kommt in der Pflanzenwelt sogar ziemlich häufig vor!

Zur Zeit schreibt Sensi Seeds in ihrem Blog über Cannabinoide in Pflanzen über diese Entdeckungen. Aber fangen wir an mit einer Definition der Cannabinoide:

Cannabinoide sind auf Lipiden (Fetten) basierende Moleküle, die alle bis zu einem gewissen Grad auf Cannabinoidrezeptoren wirken; und diese sind ein grundlegender Bestandteil des Endocannabinoidsystems. Cannabinoide werden von Pflanzen produziert (die bekannteste ist die Cannabispflanze), aber auch in menschlichen Körpern und in denen der meisten anderen Tierarten, außerdem können sie in Labors synthetisch hergestellt werden.

Cannabinoide, die von Pflanzen produziert werden, nennt man Phytocannabinoide, und wenn sie vom (menschlichen) Körper produziert werden, heißen sie Endocannabinoide. Die im Labor synthetisierten Stoffe werden einfach als synthetische Cannabinoide bezeichnet.

Die meisten Cannabisfans werden bestimmt schon von den klassischen Cannabinoiden wie THC, CBD, THCV und CBC gehört haben, die mehr oder weniger auf die Cannabinoidrezeptoren wirken. Da wir das Endocannabinoidsystem heute besser verstehen, wissen wir nun, dass es weit mehr und auch unterschiedlichere Typen von Stoffen gibt, die auf die Rezeptoren wirken. Auch ein kleines Update hinsichtlich des Mycren in Mango gibt es im Artikel.

Einen interessanten Vortrag hat auch Peter Rausch auf der Cultiva Hanffachmesse gehalten: Cannabinoide in anderen Pflanzen und Lebewesen:

Ich finde es prima, dass sich Sensi Seeds mit den Themen auseinandersetzt. Nicht jeder Hersteller von Cannabisprodukten ist so ausführlich und offen!

Kann Cannabis deine Stimmung verbessern?

Eine Studie sagt, dass THC eine wichtige Rolle spielt, in der Art und Weise, wie wir negative Emotionen verarbeiten.

Es ist sicherlich kein Geheimnis, dass Gras rauchen einen zum Lachen bringen kann, aber Forschungen zeigen, dass die positiven Effekte der Droge noch viel weiter gehen als nur „High“ zu werden.

Eine Studie von aus dem Jahre 2012,  welche im European Journal for Neuropsychopharmacology veröffentlich wurde, zeigt dass das körpereigene Endocannabinoidsystem, welches von THC aktiviert wird, eine wichtige Rolle in der Verarbeitung von Emotionen spiele, „ein essentieller Aspekt für sinnvolle soziale Interaktionen und interpersonelle Beziehungen.“

Um genau zu sein, gaben die Studienautoren den Teilnehmern in einer kontrollierten Umgebung THC. Die Teilnehmer zeigten weniger Gehirnaktivitäten auf negative Stimuli als wenn ihnen ein Plazebo gegeben wurde. Ein starker Bezug auf negative Stimuli wird verbunden mit mentalen Krankheiten wie Depressionen. Die Ergebnisse zeigten, dass das Endocannbinoidsystem eine wichtige, vor allem positiv unterstützende Funktion bei der Verarbeitung von Emotionen und Gefühlen habe.

Durch die Messung von Gehirnaktivität mit der funkitionellen Magnetresonanz konnten die Forscher dem Effekt von THC in den Gehirnen der Teilnehmer zuschauen. Es begann eine „Bewegung im gesamten Netzwerk von einer negativen emotionalen Einstellung hin zu einer positiven.“

Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass die Reaktionen des menschlichen Gehirns auf THC signifikanten Einfluss auf die Behandlung von mentalen Krankheiten habe. „Die Forschung zeigt weitere Beweise auf, dass das Endocannabinoidsystem die emotionalen Reaktionen moduliert und die These stützt, dass es bei abnormaler emotionaler Verarbeitung, die bei  psychiatrischen Störungen vorkommen, eine Rolle spielt.“

via Rolling Stones Magazine

Cannabinoide in der Muttermilch gefunden – Substanzen wie im Marihuana

Grafik Aufbau der weiblichen Brust, Wikipedia, Patrick J. LynchIn vielen Teilen des menschlichen Körpers gibt es ein System von Proteinen die als Cannabinoidrezeptoren bekannt sind. Sie sind genau dafür geschaffen, Cannabinoide wie Tetrahydrocannabinol (THC), eines der aktiven Komponenten im Marihuana, zu verarbeiten. Es zeigte sich anhand den Ergebnissen von mehreren Studien, dass menschliche Muttermilch viele der gleichen Cannabinoide wie Marihuana enthält. Es wird vermutet, dass diese extrem wichtig sind für eine richtige Entwicklung des Kindes.

Die Zellmembranen im Körper sind für gewöhnlich mit diesen Rezeptoren ausgestattet und werden durch Cannabinoide sowie andere Nährstoffe aktiviert. Sie sollen die Zelle gegen Viren, schädlichen Bakterien, Krebs und anderen Krankheiten schützen. Menschliche Muttermilch ist eine Quelle für Endocannabinoide, einem speziellen Typs von neuromodulierenden Lipiden, welches quasi dem neugeborenen Kind durch die Stimulation des Saugprozesses beibringt zu Essen.

Wenn es keine Cannabinoide in der Muttermilch gäbe, würde ein neugeborenes Kind wahrscheinlich nicht wissen, wie es Essen soll, oder es hätte nicht den Wunsch zu essen, was zu Unterernährung oder sogar den Tod führen würde. Glaub es oder nicht, das ganze erinnert an die Erfahrungen von Erwachsenen, wenn sie nach dem Kiffen den Fressflash bekommen.
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