Wieder mehr Drogentote in Nürnberg und nicht mal eine Stellungnahme der Drogenbeauftragten?

21Juli-gedenktag-der-verstorbenen-drogengebraucherIm letzten Jahr gab es in Nürnberg, der Metropole Frankens, in Relation zur Einwohnerzahl mehr Drogentote als in jeder anderen deutschen Großstadt (6,1 pro 100.000 Einwohner laut Drogen- und Suchtbericht 2014). Auch in diesem Jahr wird Nürnberg wohl wieder diesen traurigen Rekord erzielen. Aber warum ist das der Drogenbeauftragten nicht mal eine Pressemitteilung wert? Hingegen gibt es sogar Konferenzen zu den statistisch kaum erfassbaren Legal Highs? Ich frage nach auf Abgeordnetenwatch:

Update: Es ist am 23.4.2015 eine Antwort eingetroffen. Weiter unten im Text findest du die Antwort und die Bewertung.
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Stern schickt wieder Kinder auf den Strich

Das Image einer Generation: Es scheint derzeit eine Neuauflage des Drogenhorrorklassiker-Films „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ von 1981 zu geben. Jedenfalls hängen in Berlin so einige Plakate, die den Film anpreisen. Interessanterweise gibt es keinen Urheber für die Plakate, nur der Filmvertrieb wird genannt.

Meine liebe 70er/80er Generation, die dort angesprochen wird, wie fühlt ihr euch dabei, dass ihr auf „Heroindrücken im Bahnhofsklo“ reduziert werdet? Dass für eine Drogenhorrorstory ein „fast noch“ Kind auf den Strich geschickt und für das geifernde Stern-Magazin ausgenutzt wurde? Dass dieser Film für die Gehirnwaschung von tausenden junger Menschen verantwortlich ist und eine realistische und effektive Herangehensweise an die Drogenproblematik durch die Stigmatisierung blockiert?

Zu der Geschichte des Films, frei aus Wikipedia:

Christiane F Kinoplakat

Bei Recherchen zum Thema Drogenszene und Beschaffungsprostitution beobachtete Horst Rieck, ein Journalist der in den 1960er Jahren unter anderem für Spiegel, stern, Die Zeit und Quick schrieb, am 8. Februar 1978 am Amtsgericht Moabit in Berlin einen Prozess gegen einen Geschäftsmann, der jugendliche Prostituierte für sexuelle Dienstleistungen mit Heroin bezahlt hatte.

Dabei bat er eine der Zeuginnen, die damals 15-jährige Christiane Felscherinow, um ein Interview. Rieck erkannte, dass die Aussagen des jungen Mädchens Stoff für eine größere Veröffentlichung boten. Aus dem ursprünglich für das Interview geplanten Nachmittag wurden zwei Monate, in denen sich Rieck und sein von ihm hinzugezogener Kollege Kai Hermann fast täglich aus der Lebensgeschichte der jungen Christiane berichten ließen. Die von Rieck und Hermann niedergeschriebenen Tonbandprotokolle erschienen nach einem teilweisen Vorabdruck im stern im Herbst 1978 als Buch unter dem Titel Wir Kinder vom Bahnhof Zoo. Dieses wurde in den Jahren 1980 und 1981 zum meistverkauften Buch in der Bundesrepublik Deutschland, in 15 Sprachen übersetzt und weltweit in mehr als drei Millionen Exemplaren verkauft. In zahlreichen deutschen Schulen ist Wir Kinder vom Bahnhof Zoo Pflichtlektüre. Bei der 1980/81 entstandenen Verfilmung des Buchs unter dem Titel Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo von Uli Edel (Regie) und Herman Weigel (Drehbuch) übten Horst Rieck, Kai Hermann und Christiane Felscherinow gewisse Mitspracherechte aus.

Christiane F KinoplakatIch gehe dabei mit der Argumentation von Friedrich Koch, einem Erziehungswissenschaftler:

Der Film ‚Christiane F.‘ umgeht nahezu alle Fakten, die zu wissen nötig sind, um die Genese [Entstehung] drogenabhängigen Verhaltens zu verstehen. Wo das Drehbuch Präventionspädagogik vorgibt, verfolgt die szenische Realisierung eine fragwürdige, weil unglaubwürdige Abschreckungsstrategie, die sowohl in der Drogenprävention als auch in der allgemeinen Erziehung längst als wirkungslos erwiesen ist. Schlimmer noch: unter Umständen kann sie sogar stimulierend wirken. Diese Tendenz wird nicht zuletzt durch eine unkritische Ästhetisierung der Drogenabhängigkeit unterstützt, die in einigen Szenen fast zur Heroisierung der Hauptfiguren wird.“ [Friedrich Koch In: Johannes Bastian (Hg.): Drogenprävention und Schule. Grundlagen, Erfahrungsberichte, Unterrichtsbeispiele. Hamburg 1992, Seite 157 ff.]

Weisses Heroin als Kokain verkauft!

SaferParty Schweiz verkündet, dass eine besondere Probe beim Drugchecking aufgefunden wurde: Sie haben diese Woche eine Kokainprobe erhalten – welche sich als weisses Heroin herausstellte.

Die Analyse hat das folgende Resultat ergeben:
Heroin*HCl – 24.0%
Phenacetin – 62.5%
Coffein – 7.2%
6-Monoacetylmorphin qual (GC-MS)

Es handelt sich um relativ starkes Heroin. Das Interessante daran ist, dass in dieser Heroinprobe Streckmittel enthalten sind, welche typischerweise für das Strecken von Kokain verwendet werden.

Besondere Vorsicht ist bei IV-Konsum, hohen Dosen und Mischkonsum mit anderen Downer (Alkohol, Benzos usw.) gegeben! Bei Atemdepression ist sofort medizinische Hilfe anzufordern.

Mehr Informationen zu Heroin bei SaferParty

Heroinabgabe erfolgreicher als Methadontherapie

Der Lancet vom 28.5.2010 berichtet: „RIOTT-Studie: Überwachte Heroinabgabe erfolgreicher als Methadontherapie“


Die überwachte Gabe von medizinisch dosiertem injizierbarem Heroin führt gegenüber injiziertem oder oral verabreichtem Methadon zu einem stärkeren Rückgang des Missbrauchs illegalen Straßenheroins bei jenen chronisch Süchtigen, die in Therapien versagen. Die Ergebnisse der RIOTT-Studie werden in einem aktuellen Artikel von Professor John Strang und Kollegen vom National Addiction Centre am Institute of Psychiatry des King’s College London vorgestellt.

Hier gehts zur Quelle: bei Wissenschaft Online

Akzeptierende Eltern: Offener Brief an die Drogenbeauftragte

Die Initiative der akzeptierenden Eltern hat einen offenen Brief an die Drogenbeauftragte wegen der Regelversorgung mit Heroin an die Bedürftigen. So sind die neuen Regelungen deutlich strenger als die bisherigen in der Heroinstudie. Es steht zu befürchten, dass zum einen viele Personen aus der Abdeckung herausfallen, zum anderen das nur noch in großen Städten eine Heroinambulanz aufgebaut werden kann.
Mehr dazu im „Offenen Brief“:
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UK: Cleane Gefangene werden vor der Entlassung auf Methadon gesetzt

UK: Berichte sagen aus, dass Gefangene die ihre Sucht im Gefängnis überwunden hatten Substanzen wie Methadon – ein höchst abhängig machendes Heroinsubstitut – vor ihrer Entlassung gegeben wurde.

Der Prozess, „Retoxification“ genannt, ist gemacht um die Toleranz der ehemaligen Abhängigen zu steigern, da diese „natürlich“ nach ihrer Entlassung wieder Drogen nehmen werden würden. Damit soll das Risiko der Überdosis minimiert werden. Aber Kritiker dieser Behandlung haben Gefängnisdoktoren, die auch an den Richtlinien für Gesundheit gebunden sind, angegriffen und beschuldigten sie des „staatsgesponsorten“ Drogendealens und dem „Aufgeben“ des Problems. Auch in Deutschland wird soetwas praktiziert und hat sich wohl auf Wunsch der Betroffenen aus Vorsicht vor Rückfällen durchgesetzt.
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UNO: Opiumanbau in Afghanistan wird dieses Jahr stabil bleiben

Nachdem die Menge des Anbaus von Opium in den letzten zwei Jahren rückläufig war, wird sie dieses Jahr in der Nähe der 2009er Menge liegen, sagte das UNO Büro zu Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung am Mittwoch. Der Bericht, eine jährliche Zusammenfassung der Winteropiumernte, basiert auf Berichten aus den Bauerndörfern, ob sie Opium im letzten Frühjahr angebaut haben.

Afghanistan stellt etwa 90% des weltweiten illegalisierten Opiums her, der Rohstoff für Heroin und einige weitere Medikamente. Die Geldsummen, die durch den Opiumhandel entstehen, belaufen sich auf etwas zwischen einem und zwei-Dritteln der Afghanischen Ökonomie. Profite daraus fliessen nicht nur den Taliban zu, sondern auch regionalen Warlords und korrupten Politikern.

Die Afghanischen Opiumproduktion hatte 2007 mit 8200 Tonnen ihren Höhepunkt erreicht und es werden 6900 Tonnen in dem letzten Jahr geschätzt. In diesem Jahr dürfte die Produktionsmenge in etwa gleich ausfallen, aber die UNODC hofft, dass sie die Produktion veringern könne, auch wenn die gleiche Fläche an Land bepflanzt wird. Der globale Bedarf an illegalisiertem Opium liegt bei etwa 5000 Tonnen pro Jahr.

„Überall wird die Kultivierung von Opium höchstwahrscheinlich gleich bleiben in 2010, aber die Anzahl der Opium-freien Provinzen könnte von 20 auf 17 Fallen“, sagt der Bericht. „Dennoch, mit frühzeitigen Ausrottungsmassnahmen könnten bis zu 25 Provinzen Opiumfrei werden.“ Die Studie fragte in 536 Afghanischen Dörfern und fand heraus, dass 35% von ihnen Opium für 2010 angepflanzt hätten. Farmer werden mit besseren Preisen für Opium als für Früchte zitiert. Während der Preis für Rauchopium um 6% gefallen ist im letzten Jahr, der Preis für Rohopium sogar um 13%, sind die Preise für andere Früchte noch viel mehr gefallen. Der Preis für Mais ist um 38% gesunken, der für Weizen um 43%.

Die südliche Helmand Provinz produziert mehr als die Hälfte von dem ganzen Opium in Afghanistan. US und NATO Truppen, unterstützt durch das Afghanische Militär, bereiten zur Zeit eine Großoffensive vor, um das Rückgrad des Opiumhandels dort zu brechen. Sie könnten, in den Minuten in denen du diese Zeilen liest, schon auf dem Weg sein.

Sie sind tatsächlich auf dem Weg, war ja auch schon in der Presse hierzulande:

Aber die Kultivierung wird weitergehen. Wenn nicht dort, dann in anderen Gegenden von Afghanistan, oder in anderen Ländern. Wenn die NATO hofft, dadurch die Profite der Taliban zu verhindern durch das Verlangern woanders hin – vielleicht können sie das schaffen; das ist eine militärische Frage. Wenn sie meinen, dass sie es schaffen, die überschüssige Anpflanzung zu verhindern, möglicherweise schaffen sie auch das. Aber sie werden es niemals schaffen, die Menge des globalen Bedarfs zu senken, mindestens solange, wie die Lager, die natürlich existieren, von den vorherigen Jahren bis oben hin gefüllt sind.

via Drug War Chronicle Issues, 12.2.2010

Update – SWP Studie zur Ökonomie von Afghanistan

Auf soldatenglück ist ein Artikel über die Wandlung von der Militär- zur Drogenökonomie in Afghanistan. Weiter von dort gehts zum PDF der Studie.

Anthrax-Todesfall bei einem i.v. Drogenkonsumenten in NRW

Aus Nordrhein-Westfalen (Städte Region Aachen) wurde der Fall eines 42-jährigen Mannes übermittelt, der am 13.12.2009 an den Folgen von kutanem Milzbrand verstorben ist. Der Mann hatte sich vermutlich Heroin intravenös in die Kniekehle injiziert. Im Wundabstrich von der Injektionsstelle wurden aerobe Sporenbildner diagnostiziert. Die Verdachtsdiagnose Milzbrand wurde am 18.12.2009 mittels PCR bestätigt. Neben einem chronischen intravenösen Drogenabusus lagen bei dem Verstorbenen eine chronische Hepatitis B und C, eine HIV-Infektion sowie ein chronischer Alkohol- und Benzodiazepinabusus vor.

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Mumbai-Terror: Verbindungen zu Drogenhandel und DEA?

Der Amerikaner, den sie wegen des Mumbai-Terroranschlags verdächtigen, hat Verbindungen zu Drogenhandel und der DEA und die Indischen Behörden glauben, er habe auch für die CIA gearbeitet.

via fefe

und noch was von da: Mexiko kriegt ihr Drogen-Warlord-Problem nicht in den Griff. Die haben kürzlich ihre Marines losgeschickt, um einen Drogenbaron zu verhaften, und das war die erfolgreichste Razzia seit Jahren. Dabei ist einer der Soldaten ums Leben gekommen, und die haben ihn als Nationalhelden beerdigt mit großem Tamtam. Am nächsten Tag, nur Stunden nach seinem Begräbnis, haben die Drogenbarone seine Familie niedermetzeln lassen.

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