Crystal-Meth und Dyckmans: Wo ist die ehrliche Aufklärung?

Letztens war es wieder soweit, das neueste Hanf Journal erschien und ich nahm sie mir gleich vor. So bin ich beim Lesen auf Hans Coustos Artikel „Dyckmans verpasste Chance“ gestossen, und die Frage, wie denn aus einem verschreibungsfähigen Medikament innerhalb weniger Jahre eine Mörderdroge wurde.

Die Frage ist nicht ganz unberechtigt, denn auch gegen Cannabis wurde und teilweise wird eine solche Schmutzkampagne gefahren. Die Drogenbeauftragte des Landes und zugleich Abgeordnete im Bundestag, Mechthild Dyckmans, kann man auf Abgeordnetenwatch fragen, warum dies so ist und warum sie nicht korrigierend im Sinne von ehrlicher und seriöser Aufklärung dagegen vorgeht. Beschäftigen wir uns doch einen Moment mit Propaganda – und habe so habe ich dies getan, hier der Text der Anfrage:

Wenn man an der Antwort der Abgeordneten und Drogenbeauftragten interessiert ist, kann man sich bei Abgeordnetenwatch unter der Anfrage zur Seriösen Information über „Crystal“ Methampetamin mit dem Punkt „Beim Eintreffen einer Antwort benachrichtigen“ mit einer E-Mailaddresse dort einschreiben. Man bekommt dann eine Benachrichtung, sobald eine Antwort vorliegt.
Ich freue mich über weitere Mit-Interessierte!

Banner zur Anfrage auf Abgeordnetenwatch

Text der Anfrage vom 13.2.2013

Werte Frau Dyckmans,

bis zum 1.3.2008 war Methamphetamin, Strassenname Crystal, in Deutschland ein verschreibungsfähiges Medikament. Über Jahrzehnte hinweg war Methamphetamin ein Medikament und auf einmal heisst es in den Medien unter reisserischen Titeln wie „Sucht: neu, billig, tödlich“ oder „bei Menschen, die zum ersten Mal in ihrem Leben zu Drogen greifen, reichten schon ´geringste Mengen´ von einem Zehntel Gramm, um abhängig zu sein“ (Focus Online, 15.8.2012). Die ´geringste Menge´ durfte ein Arzt bis 2008 einem Patienten pro Tag verschreiben, wobei die Dosis damals bei 2 Tabletten Pervitin resp. 6mg lag. Ein „zehntel Gramm“ ist somit keine ´geringste Menge´.

Meine Frage ist, wie ein verschreibungsfähiges Medikament innerhalb weniger Jahre zur „gefährlichsten Droge“ mutieren kann, wieso es nirgends seriöse Dosisangaben gibt und wieso, wenn Ihre Aufgabe doch Drogenbeauftragte ist, sie keine Stellungnahme abgeben um mit dieser Mystifizierung von chemischen Substanzen aufzuräumen? Damit zusammenhängend, ist es nicht Ihre Aufgabe, die Bevölkerung korrekt über Drogen und die Folgen ihres Konsums aufzuklären und somit korrigierend und sachlich in diese medial-reisserische Presse einzugreifen?

mit freundlichen Grüßen,

Antwort vom 6.5.2013


Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre erneute Anfrage.

Es ist richtig, dass Metamfetamin mit der 21. Betäubungsmittelrechts-Änderungsverordnung vom 18.2.2008 von Anlage III in Anlage II BtMG umgestuft wurde. Dies geschah mit folgender Begründung :

„Für Metamfetamin gibt es in Deutschland kein zugelassenes Arzneimittel mehr. Der zunehmende Missbrauch von Metamfetamin, in der Drogenszene als „Crystal“ bezeichnet, macht eine Umstufung des Stoffes in die Anlage II des BtMG (verkehrs-, aber nicht verschreibungsfähige Betäubungsmittel) erforderlich. Eine Umstufung in Anlage I des BtMG (nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel) ist nicht angebracht, da der Stoff als Ausgangsstoff für die Arzneimittelherstellung dient und deshalb verkehrsfähig bleiben soll.“

Aus dem im November vorgestellten Jahresbericht der deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht ergibt sich, dass eine steigende Verbreitung von Crystal bislang hauptsächlich aus den Beratungs- und Behandlungseinrichtungen der Grenzregionen zur Tschechischen Republik gemeldet wird. Aus anderen Bundesländern haben wir nach wie vor keine Berichte über eine ansteigende Problematik.

Nach den aktuell veröffentlichten Zahlen und Fakten zur Rauschgiftlage 2011 und 2012 des Bundeskriminalamts, drogenbeauftragte.de , verzeichnen wir anhaltend hohe Steigerungsraten bei der Anzahl der Erstkonsumenten sowie der Sicherstellungsfälle und Sicherstellungsmengen von so genanntem ´Crystal´ in einigen Regionen Deutschlands. Wir verfolgen die weitere Entwicklung sehr aufmerksam.

In die Berichterstattung der Medien kann ich nicht direkt eingreifen. Ich habe mich mehrfach zur Crystal-Thematik positioniert und darüber versucht, mehr Sachlichkeit in die Medienberichterstattung zu bringen. Zuletzt auch wieder auf der Pressekonferenz zur Vorstellung der Drogentodeszahlen und zur Entwicklung der Drogenkriminalität in 2012 geschehen. Ich verweise in diesem Zusammenhang auch gerne auf die Aufklärungsseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung www.drugcom.de , die im Januar 2013 das Topthema „Crystal auf dem Vormarsch“ wählte und dazu objektiv berichtete.

Mit freundlichen Grüßen

Links zu reisserischen Presseartikel über Methampethamin

Einige Beispiele:

Welche Droge ist in meiner Droge?

Eine 5-Meo-DALT TüteDie chemische Analyse von 5-Meo-DALT und die Diskussion über inkonsistente Research Chemicals auf dem Markt von 2010. Earth Erowid und Spoon eröffneten am 4. November eine Seite auf Erowid: 5-Meo-DALT ist eine psychoaktive Chemikalie die zuerst von Alexander Shulgin beschrieben wurde. Sie wurde bald darauf synthetisiert und durch Onlinehändler vertrieben. Shulgin berichtet von einer Dosierung von „12-20 mg. Oral“ und eine Wirkdauer von zwei bis vier Stunden.

Es kamen Berichte rein mit den üblichen Effekten – von positiv bis nichts bis enttäuscht. Aber einige Posts im Bluelight Forum in 2010 gaben zu verstehen, dass es möglicherweise verschiedene Chargen auf dem Markt kursieren und von verschiedenen Händlern verkauft werden. Einige Personen berichten von deutlich höheren Dosierungen als von Shulgin angegeben während andere Pulver erhalten haben, das nahezu nicht wirksam ist.

Erowid hat sich entschlossen, das ganze mal genauer Anzusehen und der Frage nachzugehen, was die Unterschiede zwischen einigen dieser Materialien sein könnten:
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Das 67. ENCOD Bulletin zu Drogenpolitik in Europa

…ist gerade deutschsprachig erschienen. Es ist zu beziehen hinter diesem Link zum Bulletin 67. von ENCOD. Hinweise auf Schreibfehler werden immer gerne angenommen! Thema diesmal: die Bewegung in der Cannabisdiskussion, das Ignorieren des Reuter-Trautmann Berichtes und der Diskussion der Schlüsse daraus.

Wenn der Zweck der Drogenpolitik ist, giftige Substanzen jedem der es möchte zugänglich zu machen, dies in einer flourierenden Marktökonomie in der mörderisch kriminelle Banden das sagen haben – so ist funktioniert es zur Zeit sehr gut. Wenn aber das Ziel sein sollte, den Konsum von Drogen und die Schäden, die mit Abhängigkeit einhergehen, zu reduzieren, so ist es wirklich an der Zeit, die jetzige Drogenpolitik fallen zu lassen. Sie hat versagt.

Neueste Untersuchungen zu Marihuana und Psychosen sind dem Mainstream zu konträr

Die Mainstreammedien lieben es, Tinte zu versprühen wenn es darum geht, dass Marihuana mentale Krankheiten auslösen würde, insbesondere Psychosen. Tatsächlich war es so, dass im März einige internationale Medienmacher verkündeten, dass Cannabiskonsum die Risiken diese Krankheit zu bekommen „verdoppeln“ würde. Aber wenn es darum geht, dass in wissenschaftlichen Magazinen Untersuchungen veröffentlicht werden, die genau diese Art von „Kifferwahn“ abblitzen lässt, bleibt das meist Unberichtet.

Dies ist der Fall mit einigen gerade erst veröffentlichten Studien, die demnächst im Magazin zur Schizophrenieforschung [Schizophrenia Research] erscheint. Die erste Studie, ausgeführt von einem Team von Wissenschaftlern an verschiedenen Krankenhäusern im Bundesstaat New York, der Yale Universität für Medizin und dem Nationalen Institut für mentale Gesundheit untersuchten ob ein kausaler Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und dem zeitlichen Einsetzen von Psychosen bei Patienten, die das erste mal für eine Episode von Schizophrenien/Psychosen hospitalisiert worden sind:
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Dyckmans Welt: Schwarzmarkt wird ignoriert

Aus der aktuellen Antwort der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), zu der organisierten Kriminalität kann man herauslesen, dass der Schwarzmarkt mal wieder total ausgeblendet wird. Das genau diese bisher geltende Prohibiton von Cannabis – und anderen Rauschmitteln – einen Schwarzmarkt kreiert hat, der nicht kontrollierbar ist – davon will die Drogenbeauftragte nichts wissen.

So ist zum Beispiel das Argument, dass den vorhandenen „legalen Drogen“ Alkohol und Tabak ein weiteres Gesundheitsrisiko hinzugefügt wird, ein Nullargument: Jede/r der möchte, kann jetzt, wie in den letzten 50 Jahren zu einem Dealer auf den Schwarzmarkt gehen und sich versorgen. Zu deutlich höheren Gesundheitsrisiken als z.b. die Cannabis Social Clubs in Spanien gewährleisten.

Gedenkveranstaltung für Drogentote in Moskau

Und so sehen Gedenkveranstaltungen für Drogentote in Moskau aus:

Am Internationalen Drogennutzer Tag, den 1. November 2009, haben sich Aktivisten vor der Förderalen Drogenkontrollbehörde (FDCS) in Moskau versammelt, um den Toten durch Drogen zu gedenken. Die Demonstranten legten Blumen und weisse Schuhe (das Symbol des Todes) auf die Treppen der Behörde um den vielen Leben, welche die russische Drogenpolitik fordert, zu gedenken.

Jedes Jahr sterben tausende von Menschen in Russland wegen drogenbezogenen Überdosierungen und Infektionen. Viele von diesen Toden hätten einfach verhindert werden können mit der Hilfe von evidenzbasierten schadensmindernen Programmen. Trotz der Effektivität dieser Programme führt die Anti-Drogenbehörde einen Krieg gegen die Drogengebraucher/innen. Und wie in jedem Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer.

Der friedliche Protest wurde brutal von der Polizei zerschlagen. Fünf Demonstranten wurden verhaftet für 5 Stunden, später mussten sie vor einen Richter. So reagieren die Russischen Behörden auf die Bürger, die ihre Meinung zu der Regierungspolitik sagen – und der Rest von Europa assistiert, weil sie ökonomische Interessen über Menschenrechte stellen.

Weitere Filme zu Drogenpolitik bei dem Drogenreporter

Der falsche Konsenz der Verhandlungen beim UN-CND entblößt

CNDBlog LogoBei einer Abstimmungsrunde zu einer politischen Deklaration duch die Vereinten Nationen ist die Delegation aus Deutschland vorgetreten und hat folgendes Statement abgegeben:

„Ich habe die Ehre im Namen der folgenden Saaten zu sprechen: Australien, Bolivien, Bulgarien, Kroatien, Zypern, Estland, Finnland, Georgien, Griechenland, Ungarn, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Norwegen, Polen, Rumänien, St. Lucia, Slovenien, Spanien, die Schweiz, das Vereinigte Königreich und natürlich für Deutschland.

Die zuvorgenannten Staaten stellen hiermit fest, dass sie den in den politischen Deklarationen und dem Aktionsplan genutzten Terminus „Related Support Services“ (zugehörige Unterstützungen) als zugehörige Massnahmen interpretieren werden, die eine Anzahl von Staaten, Inter-Regierungsorganisationen und Nicht-Regierungsorganisationen als „Schadensmindernde/Risikomindernde“ (im Original: Harm Reduction, anm. d. Red.) Massnahmen bezeichnen.

Frau Vorsitzende, Ich fordere dass dieses Statement dem Report dieses Treffens angehangen wird.“

Die deutsche Intervention bekam anhaltenden Applaus.

Einige Staaten intervenierten und meinten dass sie den deutschen Vorstoss nicht unterstützen könnten. Diese Staaten sind Russland, Kolumbien, Argentinien, Kuba, die USA, Sri Lanka und Japan.

Quellen

Hintergrund

Die Entscheidungen der Vereinten Nationen werden *immer* im Konsens gefällt. Dabei kommt, bedingt durch die Sache, nur der kleinste gemeinsame Nenner raus. Abweichende Meinungen werden nicht mit in die offiziellen Dokumente aufgenommen.

Das ist mit der oben genannten Veröffentlichung anders. Es gibt Widerstand – von 26 Ländern.

Unter anderem von Deutschland, das gewissermassen, mit eine Vorreiterrolle bei „Schadensminderung“ (der Drogenproblematik) spielt.

Das äussert sich z.b. in Druckräumen (Frankfurt, Berlin, Hamburg, Bremen…), Substitution und Originalstoffvergabe (zumindest als Versuchsstudie).