Abgebrannt? Versuchs mal mit Drogen verkaufen

Ein Bericht über die Arbeit, medizinisches Marihuana an die Abgabestellen zu verkaufen. Junge Amerikaner wurden schwer getroffen von der Wirtschaftskrise. In Kalifornien ist das Bereitstellen von Gras an medizinische Abgabestellen eine lukrative Quelle für Geld.

21.1.2011: Tony schlägt den Kofferraum zu und klettert auf den Fahrersitz. Er legt sein Telefon auf die Konsole und lässt den Motor an. Ich sitze auf dem Mitfahrersitz. Tony ist wie einer von vielen kalifornischen 20-odersoetwas-jährigen Typen. Er arbeitet an seinem Collegeabschluss. Er hat eine Freundin. Er hat sogar sein eigene Business gestartet.

Aber ich frage ihn, als er das Auto aus dem Parkplatz fährt, wieviel Marihuana wir wohl herumfahren?

„Vierundvierzig Pflanzen,“ sagt er lachend „Nicht so viele.“

Nicht so viele?

Tony macht seinen Lebensunterhalt durch das Züchten und Klonen von Marihuanapflanzen, die er an die Abgabestellen für medizinisches Marihuana in Sacramento verteilt.

Während er die Auslieferungen macht, führt er mich herum… mit ein paar Abmachungen, natürlich. Erstens „Tony“ ist nicht sein richtiger Name. Zweitens, manche Details über sein Leben und Geschäft müssen geändert oder ausgelassen werden. Während er darauf besteht, dass seine Aktivitäten legal seien – Kaliforniens Proposition 215 legalisierte Marihuana für die medizinische Nutzung – sorgt er sich noch immer um die Razzien der Föderalbehörden, denn Marihuana ist in den Föderalgesetzen noch immer illegal.

Junge Amerikaner wurden schwer getroffen von der Rezession. Der Autor Steve Greenhouse von der New York Times hat dafür den Begriff „Generation R“ geprägt: „Millionen von Teenagern und Twens versuchen sich während der schlimmsten Zeit der nationalen Ökonomie seit einer Dekate eine Zukunft aufzubauen.“ Akademiker haben sich Greenhouse Begriff ausgeliehen und eine Webseite eröffnet, Generation Recession, welche die Kurz- und Langzeiteffekte des ökonomischen Klimas auf die jungen Amerikaner studiert.

Auch wenn Jobs weiterhin rar bleiben, haben einige junge Leute ihre Arbeit in der Industrie für medizinisches Marihuana gefunden. Tony ist einer von ihnen. Egal ob Legal oder Nicht, Gras verkaufen war schon immer ein profitables Geschäft in Kalifornien. Nun hat es aber auch Anziehungskraft als legitimes Geschäft. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle, inklusive des Einkommens während der Wirtschaftskrise und Politiker, sowohl auf liberaler als auch konservativer Seite, die von den negativen Seiten der beständigen Verbote sprechen.

Während er zu einer Abgabestelle fährt, hinter halb leeren Shoppingzentren, erzählt Tony mir seine Story.

Vor einigen Jahren verlor Tony seine Arbeit bei der Regierung. Da es nur wenige Arbeitsstellen gab, probierte er etwas neues aus: „Ich began mit dem Verkauf von Gras im Internet an Krebspatienten“, sagte er.

Das Geschäft ging gut. Schon bald machte er soviel Geld wie bei seinem vorherigen Schreibtischjob. Das Geschäft wuchs, bis er die Klone an Abgabestellen in Sacramento verteilte. Tony freut sich, dass er Sorten führt, die niemand sonst anbaue.

Die Idee hinter dem Klonen ist ziemlich einfach: Man nehme eine produktive Marihuanapflanze, schneidet einen Teil der Zweige ab, und lässt diese weiterwachsen bis sie selbst Blüten bilden.

Einfach? Ja. Aber es benötigt einiges an Arbeit – und einiges an Startkapital. In einem guten Monat macht Tony etwa 10.000 US-Dollar. Auf der monatlichen Ausgabenseite, inklusive seiner Mitarbeiter, die sich um die Pflanzen kümmern, stehen bis zu 8.000 US-Dollar.

Wir fahren auf den Parkplatz der Abgabestelle. Es ist ein ziemlich kleines, unauffälliges Gebäude an einer Hauptstrasse. Wenn man nur vorbeifährt, weiss man nicht, was dort verkauft wird. Ich helfe Tony dabei, die Klone ‚reinzubringen, Plastiktöpfe mit fuß-hohe Pflanzen

Drinnen warten drei Männer am Verkaufstresen, „Budtender“ werden sie genannt. Tony sagt, er sieht meistens junge Leute, die an den Ladentresen stehen, da es viel von jedem anderen Verkaufsjob hätte.

Seit dem die Wähler von Kalifornien die Nutzung 1996 zugelassen haben, ist das Geschäft mit dem medizinischen Marihuana explodiert. Seit dem haben 14 weitere Bundesstaaten sowie Washington D.C. medizinisches Marihuana anerkannt – durch eine Wählerinitiative oder die Legislatur.

Aber wieviel Geld ist im Marihuanageschäft? Die Studie „Marihuanaherstellung in den Vereinigten Staaten“ von 2006 nennt eine Zahl von 35.8 Milliarden US-Dollar, womit Marihuana die Nummer Eins Cash-Crop der USA wäre.

Aarom Smith, Vorstand des neu gegründeten nationalen Cannabisindustrieverbands, erzählt mir später dass die Industrie für medizinisches Cannabis einiges mehr bietet als nur die Verkaufsarbeitsstellen.

Smith sagte: „Du brauchst Menschen, welche die Verkaufssoftware in den Computern der Kollektive schreiben. Du hast Versicherungsfirmen, welche die Kollektive versichern. Du hast Sicherheitsfirmen, die Sicherheitslösungen für die Kollektive erstellen. Du hast Menschen, welche die Kontainer, in denen das medizinische Cannabis verkauft wird, herstellen.“ .. „Es gibt viele verschiedene Jobs, die mit dem Cannabis zusammenhängen, als wir direkt am Ladentresen sehen“

Smith sagt, dass eine durchschnittliche Abgabstelle Arbeit für irgendwas zwischen acht bis 80 Personen bietet, mit einem Durchschnitt von einigen Dutzend Angestellten. Er hofft, dass die Gesetzesmacher den positiven ökonomischen Effekt des medizinischen Marihuanas bemerken.

„Ich denke, dass ist etwas, wonach unsere Gesetztesmacher in Washington D.C. und den anderen Bundesstaaten in unserem Land schauen sollten und die Kraft dieser Industrie sehen, die eine Stärke hat für den ökonomischen Wiederaufbau.“ sagte Smith.

Wir reden hier nicht nur von Arbeitsstellen. Eine Sprecherin des Kalifornischen Rates zum Lastenausgleich erzählt mir, dass der Staat geschätzte 58 bis 105 Millionen US-Dollarn in Steuern jährlich einnimmt. Sicherlich, es ist ein kleiner Tropfen in dem Steuersack der siebent-größten Ökonomie der Welt, aber es ist ein wachsende Quelle.

Oder wie auch in der Colorado Springs Gazette berichtet wurde, sind die Steuereinnahmen der Stadt von April 2009 zum Juni 2010 von medizinischen Marihuana von 4.000 auf 40.000 US-Dollar gestiegen. Und die Stadt sieht weitere Verbesserungen, ausserhalb der gestiegenen Steuereinnahmen.

„Die Industrie für medizinisches Marihuana kann für sehr viel mehr Steuereinnahmen verantwortlich gemacht werden als nur durch die Menge der Verkaufssteuer auf den Verkauf von Marihuana.“ sagte Ratsmitglied Tom Gallagher der Gazette. „Es gibt viele Elektriker, Schreiner und Installateure die dadurch in Arbeit kommen.“

Während wir die Abgabestelle verlassen, erzählt mir Tony von seiner größten Sorge. Auch wenn medizinisches Marihuana legal ist und auch wenn Gov. Schwarzenegger den Besitz von bis zu einer Unze Marihuana entkriminalisiert hat, kann er noch immer Probleme mit den Föderalbehörden bekommen.

Während unseres Ausfluges erwähnt Tony mehrere Male die Verhaftung von Chris Bartkowicz, einem Pflanzer von medizinischem Marihuana aus Colorado, der bei einem lokalen Fernsehsender ein Interview gegeben hatte. Kurz nach dem Interview durchsuchten DEA-Agenten sein Haus und Straften ihn ab wegen dem Besitz von Marihuana, mit dem Ziel es weiterzuverkaufen da er mehr Anbaute als mit den Gesetzen von Colorado vereinbar wäre. Nun sieht er sich 40 Jahren Gefängnis gegenüber.

Tony ist sich sicher, nun, ziemlich sicher, dass seine Anbauaktivitäten innerhalb der Grenzen von Kaliforniens Regeln liegen. Ein Anwalt hat alles doppelt Überprüft und er hat seine Buchhaltung im Auto. Er sagt, die Polizei hätte schon drei mal seine Anbauaktivitäten gestoppt.

Als wir wieder zu unserem Treffpunkt fahren, scheint Tony aufgeregt und erzählt mir, wie er seinen Abschluss machen möchte. Die Unterrichtsgebühren könnten auch in sein Growgeschäft gehen, und so wie sich die Ökonomie bewegt, könnte sich das als die bessere Investition herausstellen.

Er studierte um ein Anästhesist zu werden. Nun scheint es, dass er einen anderen Weg gefunden hat, um Menschen ihre Medizin zu geben.

„Ich mag es nicht, Menschen traurig und mit Schmerzen zu sehen“, sagt er.

via alternet

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