Drogenberaterin Dr. Polly Taylor zurückgetreten, hier der Rücktrittsbrief

Die Drogenberaterin der britischen Regierung Dr. Polly Taylor ist zurückgetreten, da sie der Regierung nicht mehr traut und hat der BBC ihre Erklärung zum Rücktritt übermittelt. Da er sehr interessant ist und auch auf die hiesigen Verhältnisse anwendbar ist, machen wir hier den Volltext auf Deutsch. Mehr dazu auch auf Google News (580 Artikel)

Werter Staatssekretär,

Ich schreibe Ihnen um von meiner Position als unabhängige wissenschaftliche Beraterin im Beirat zum Missbrauch von Drogen (Advisory Council on the Misuse of Drugs (ACMD) zurückzutreten.

Als Sie das ACMD im November 2009 trafen, drückten viele von uns ihre großen Sorgen aus, wie unsere Empfehlungen von Ihnen und Ihrem Vorgänger behandelt wurde, die zu der Entlassung unseres Vorsitzenden Professor David Nutt führte. (die Hanfplantage berichtete)

Prof. Nutt wurde entlassen für die Inhalte, die er in einer seiner Vorlesungen in seiner Rolle als Akademiker vermittelte. Er wiederholte die Empfehlungen, die das ACMD für eine sinnvolle Klassifizierung von Cannabis und Ecstasy gegeben hatte, die Empfehlungen, welche die Regierung ablehnte.

Zwei unserer Mitglieder, Dr. Les King und Marian Walker traten aus Protest zurück.

Bei diesem Treffen war es Ihnen nicht möglich, die nötigen Versicherungen wie die unabhängigen wissenschaftlichen Empfehlungen in Zukunft gehandhabt werden sollen, und drei weitere Mitglieder, Dr. Simon Campbell, Dr. John Marsden und Dr. Ian Ragan traten zurück.

Andere von uns im ACMD waren dafür, auf die Antwort über die Prinzipien für wissenschaftliche Empfehlungen der Regierung zu warten, die von der wissenschaftlichen Gemeinschaft und vielen ACMD Mitgliedern gestellt wurde.

Die erste Antwort der Regierung, im Dezember veröffentlicht, war höchst unbefriedigend und schien nur die
Festlegung des Ministers und die Entlassung von unabhängigen wissenschaftlichen Beratern mit Bezug auf „Glaubwürdigkeit“ zu rechtfertigen.

Wir hatten Verstanden, dass die Anforderung an uns, als Ratgebende sei, den Verhaltenskodex für wissenschaftlichen Beirat zu befolgen und nicht Zugunsten oder für die Glaubwürdigkeit eines Ministers unseren Rat zu geben.

Angesehene Wissenschaftler und Ratgebende haben insbesondere dazu Einwände vorgebracht, genau wie die Einsendung des ACMD zu diesem Dokument. Die gleichen Punkte wurden vom Science and Technology Select Committee in ihren Briefen an die Regierung aufgeworfen.

Ich bin daher sehr überrascht und enttäuscht, dass die Regierung diese Sorgen zurückweist mit der Veröffentlichung der finalen Version dieser Prinzipien in dieser Woche. Die erste Anforderung ist eine „Vertrauensbasis“, die mit Sanktionen gegen unabhängige Wissenschaftler verstärkt wird – egal, was in dem Verhaltenskodex zusammengestellt worden ist.

Ich glaube es gibt nur wenig was wir machen können um zu Beschreiben, wie wichtig es ist, dass die Empfehlung nicht von den Begehren von Ministern oder der Stimmung der Tagespresse unterworfen ist.

Ich bin sehr stolz über den hohen Standard, den die Arbeit bei der ACMD ermöglicht hat, und ich habe vollstes Vertrauen in meine Kollegen bei dem ACMD und ihrem Vorsitzenden, Prof. Les Iverson, und somit ist es bedauerlich, dass ich glaube meinen Mangel an Vertrauen in die Art und Weise wie die Regierung mit ihrem [der ACMD] Rat umgeht. Somit ist es mir nicht möglich, weiter in diesem Kommitee mitzuarbeiten.

mit freundlichen Grüßen,
Dr Polly Taylor

auch bei ENCOD

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