Alternativlos 15: Über die Kulturgeschichte und Ökonomie von Opium, Heroin und Kokain.

LogoIn der neuen Folge des Podcasts Alternativlos ist eine Folge über die Kulturgeschichte und Ökonomie von Opium, Heroin und Kokain von Fefe und Frank veröffentlicht worden.
Auch sie kommen zu dem Schluss, dass nur eine Legalisierung den Drogenschwarzmarkt bekämpfen kann.

Dort geht es diesmal um das Thema Drogen, im speziellen Kokain und Opium (und darauf aufbauende Produkte wie Heroin). Die Themenbeschreibung von der Website:

In der Sendung geht es um Drogen / Rauschgift. Wegen der Fülle des interessanten Materials haben wir uns auf die kulturhistorischen Aspekte von Opium und Kokain beschränkt.

Dazu passend kam heute auch auf Fefes Blog wieder eine Meldung zu einem
Gerichtsverfahren mit der Argumentation „aber die US-Behörden haben
meinen Drogenschmuggel erlaubt
„.

Auch die anderen Alternativlos-Sendungen (und Fefes und Frank Blogs) sind durchaus empfehlenswert und es lohnt sich mal rein zu hören.

Danke für den Hinweis auf die Sendung.

Sex&Drogen und Bild: Polizeichefin von Praxedis Guadalupe Guerrero beantragt Asyl in den USA

Die Polizei anzuführen ist kein einfacher Job in Mexiko. Nachdem die Polizeichefin von Guadalupe entführt und ihr Haus angezündet wurde, hat sich jetzt die Polizeichefin Marisol Valles García (20) aus Angst vor der Drogen-Mafia in die USA abgesetzt und dort Asyl beantragt. Jetzt entließ der Bürgermeister der mexikanischen Kleinstadt die junge Frau auch offiziell aus ihrem Posten. Die Bild titelt dazu „Bürgermeister feuert schöne Polizeichefin (20)“ – na, die bei der Bild denken auch, wenn die Gewalt und Drogen nicht mehr reichen, nehmen wir ein bischen Sex dazu..

Kokablatt-Kauen und die Single Convention – wird Deutschland das kulturelle Erbe der Indigenen missachten?

Auf ENCOD ist ein Bericht von Transform erschienen, in dem es darum geht, dass im Jahre 2009 der Präsident von Bolivien, Evo Morales, von den Vereinten Nationen verlangte, die 1961er UN Single Convention on Narcotic Drugs zu ändern. Die vorgeschlagene Änderung sollte die Diskriminierung und das wisschaftlich unhaltbare Verbot des Cocablatt-Kauens aufheben, während das globale Kontrollsystem für Cocakultivierung und Kokain erhalten bliebe. Die 18-monatige Periode, um auf Boliviens Antrag für Änderungen einzugehen, endet am 31. Januar 2011.

So solle dem Transformbericht zufolge auch Deutschland einen Einspruch vorbereiten.
Ich habe unsere Drogenzarin auf Abgeordnetenwatch in Sachen Evo Morales‘ Vorschlag, die Single Convention von 1961 zu ändern, gefragt, ob „Deutschland“ wirklich intervenieren will, zumal Deutschland mitsamt der EU die Rechte der indigenen Menschen, ihre kulturelles Erbe auszuüben, anerkannt hat.

Der Präsident von Kolumbien, Juan Manuel Santos, rief am Freitag Morales an, um die Rücknahme des Einspruches bekannt zu geben. Mit dem Rückzug des Einspruches folgt er den Empfehlungen, die von der Union der Südamerikanischen Nationen (UNASUR) am 26. November 2010 vorgeschlagen wurden. Diese Vorschläge erkennen an, dass das Kauen des Kokablattes eine historisch-kulturelle Manifestation der Menschen in Bolvien sei und dies den Respekt der internationalen Gemeinschaft einfordert.

Die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) haben versucht, andere Länder dazu zu bewegen, Einsprüche einzulegen gegen den bolivianischen Vorschlag, aber diese haben bislang keinen Einspruch eingelegt. Den Zusammenfassungen von Diskussionen der EU Horizontal Working Party on Drugs zufolge (üblicherweise als „Horizontale Gruppe Drogen“ (HDG) bekannt, ein Kommittee für Drogenpolitik, welche den Europäischen Rat betrifft), haben die USA eine Gruppe „Freunde der Konvention“ vorbereitet, um der Abschaffung des Cocablatt-Kauverbotes entgegenzuwirken. Ihrer Meinung nach würde das Aufheben des Verbotes die Single Konvention schwächen.

Der Hauptgrund, dass die USA bis jetzt noch keinen formalen Einspruch eingelegt hat, scheint zu sein, dass sie sich nicht ausreichender Unterstützung der anderen Länder sicher sind und sie wollen nicht den Eindruck erwecken, dass die USA dabei anführen würden. Es scheint, dass sie ein diplomatisches Spiel spielen, um den Standpunkt zu verbreiten, dass möglichst viele Länder Einspruch einlegen sollten, und sie abwarten bis jemand anderes anfängt, so dass sie eher als „Unterstützend“ da stehen, anstelle die Gruppe anzuführen.

Update

23.1.: 93 Mit-Interessierte, und: DW:

„Das Kauen von Koka-Blättern ist eng mit unserer Kultur und unserer Identität verbunden“, so Präsident Morales am Montag (17.01.2011), zu Beginn der internationalen Kampagne zur Legalisierung des Koka-Kauens. „Millionen Bolivianer kauen Koka-Blätter und werden davon nicht abhängig.“

auch: womblog, Blickpunkt Lateinamerika, 20min

Update Zwei

Die zu erwartende Antwort kann von der IDPC, dem internationalen Konsortium zu Drogenpolitik, bezogen werden. Zusammengefasst kann man zu dem Vorschlag der Bolivianer sagen: „Nein, aber lasst uns drüber Diskutieren“

Germany recognizes “that the proposal touches upon complex development and health policy issues, in addition to the intricate drugs issues” and is aware of the particular importance of coca chewing “as part of the cultural identity of the indigenous population, the majority of all Bolivians”. Based foremost on “fundamental drug policy consideration” Germany cannot accept the amendment but proposes further dialogue with Bolivia and “will give favourable consideration to the question of convening a conference of states to discuss the issue”. Convening such a conference is precisely what the other objectors hope to avoid.

Weiteres, auch zur Inforundreise von Morales auf Amerika21.

Update Drei

ENCOD wird gegen das Vorgehen von den EU-Staaten, die gegen den Änderungsantrag von Bolivien Einspruch eingelegt hat, klagen. Genaueres dazu auf der Webseite von ENCOD.

Update vier

Es wurde mir per E-Mail geantwortet. Eine Bewertung, wie ich sie auch abgebe, ist unter anderem auf dem Drogerie-Blog der taz („Kokablatt-Kauen in der Single Convention“) zu finden. Das BMG hat sich also knapp drei Jahre Zeit gelassen, und schlägt nun vor, mal drüber zu Diskutieren. Vor dem Hintergrund der Detailiertheit des Ersuchens der bolivianischen Regierung ethisch-moralisch völlig daneben.

Anfrage an die Drogenbeauftragte

Von: Martin Steldinger
Gesendet: Dienstag, 18. Januar 2011 03:57
An: Drogenbeauftragte BMG
Betreff: Kokablatt-Kauen in der Single Convention

Werte Frau Dyckmans, werte Büromitarbeiter der Drogenbeauftragten,

2009 verlangte der Präsident von Bolivien, Evo Morales, von den Vereinten Nationen, dass sie die 1961er UN Single Convention ändern. Die vorgeschlagene Änderung sollte die Diskriminierung und das wissenchaftlich unhaltbare Verbot des Cocablatt-Kauens aufheben, während das globale Kontrollsystem für Cocakultivierung und Kokain erhalten bliebe. Die 18-monatige Peroide um auf Boliviens Antrag für Änderungen einzugehen, endet am 31. Januar 2011.

Den Zusammenfassungen von Diskussionen der »Horizontalen Gruppe Drogen« zufolge haben die USA eine Gruppe »Freunde der Konvention« vorbereitet, um der Abschaffung des Cocablatt-Kauverbotes entgegenzuwirken.

Die Ergebnisse des UN 1950 Kommission zur Nachfrage des Kokablattes Berichts haben die Rechtfertigungen für das Verbot des Kokablattkauens in der Single Convention gerechtfertigt. Analysten haben den Bericht als willkürlich, unpräzise, rassistisch und kulturell unsensibel kritisiert. 50 Jahre später haben die Vereinten Nationen löblicherweise den viel stärkeren Schutz der indigenen Rechte vereinbart.

Die UN Erklärung zu den Rechten indigener Menschen von 2007 sagt, dass »indigene Menschen dass Recht haben, ihr kulturelles Erbe, ihr traditionelles Wissen und traditionellen kulturellen Ausdruck aufrecht zu erhalten, zu kontrollieren, zu beschützen und zu entwickeln. […]

Der Änderungsvorschlag der Bolivianer/innen Entstand aus der Anerkennung des Kokablattes als Teil von Boliviens kulturellen Erbe in der Verfassung des Landes von 2009. In der Madrider Vereinbarung der Europäischen Union – Lateinamerika und der Karibik, am 18. Mai 2010, erkannten die europäischen Länder das kulturuelle Erbe der indigenen Bevölkerung an.«

Meines Wissens nach hat Deutschland damit das Recht der indigenen Bevölkerung, ihr kulturelles Erbe zu schützen und zu bewahren, anerkannt. Nun heisst es, dass unter anderem Deutschland erwäge, Einspruch bei den Vereinten Nationen einzulegen.

Meine Frage ist dazu, in so einer Zeit, in der Drogenverbote das Erstarken und das Bereichern von kriminellen Kartellen zu so einem Maß ausgedehnt hat, dass sie Teile von Staaten wie Mexiko oder Guatemala versuchen zu besetzen, versucht die USA mit beträchtlichem Aufwand, das legitime und demokratische Recht der Bolivianischen Regierung, eine harmlose indigene Praktik zu beschützen und zu erhalten, auszuhebeln – wird Deutschland Einspruch bei den Vereinten Nationen einlegen, und damit den ignoranten Versuch der USA unterstützen, den bolivianischen Indigenen Vorschriften zu machen?

mfg, Martin Steldinger

Antwort aus dem Büro der Drogenbeauftragten

Betreff: WG: Kokablatt-Kauen in der Single Convention
Datum: Thu, 24 Feb 2011 09:27:08 +0100
Von: [NN]-AS2 BMG

Sehr geehrter Herr Steldinger,

vielen Dank für Ihr Schreiben an die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans. Ich wurde gebeten, Ihnen zu antworten.

Die UN Single Convention von 1961 sah hinsichtlich der Erlaubnis des Kokablatt-Kauens für Bolivien nur eine Übergangsfrist vor, die 2009 ausgelaufen ist. Daher hat Bolivien mit Verweis auf die Erklärung der UN zu den Rechten indigener Menschen beantragt, das Kauen von Coca-Blättern aus der Strafbarkeit der Convention herauszunehmen. Dies ist jedoch nach Auffassung der Bundesregierung und vieler Unterzeichnerstaaten dazu geeignet, die bindende Wirkung der in den Vereinten Nationen über Jahrzehnte entwickelten rechtlichen Instrumente zur Bekämpfung der Drogenproblematik zu beschädigen.

Im Zuge der für diesen Entschluß maßgeblichen Ressortabstimmung wurden auch entwicklungs-, gesundheits- und drogenpolitische Aspekte diskutiert. Die Bedeutung des Kokablattkauens für die indigene Bevölkerungsmehrheit in Bezug auf traditionelle, kulturelle und indigene Rechte und Praktiken wird nicht verkannt. Dem Anliegen wird grundsätzlich Verständnis entgegengebracht. Daher wurde der von einigen Staaten und der Bundesregierung eingelegte Widerspruch mit einem umfassenden Gesprächs- und Kooperationsangebot an die bolivianische Regierung verknüpft. Ziel ist es dabei, gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, die illegale Drogenökonomie wirksam zurückzudrängen und gleichzeitig dabei bolivianische Belange zu berücksichtigen. In diesem Zusammenhang sollen auch andere Partner z.B. innerhalb der EU (EU-LAC-Dialog) aufgefordert werden, diesen Dialog mitzutragen. Hierfür wurde seitens einiger EU-Partner bereits Interesse und Unterstützung bekundet. Zudem wird die Bundesregierung die mögliche Einberufung einer Staatenkonferenz zur umfassenden Diskussion des bolivianischen Anliegens wohlwollend prüfen.

Andere Partner mit gleichgelagerten Interessen im Bereich der Drogenbekämpfung, darunter auch viele europäische Partner, haben ebenfalls Widerspruch eingelegt. Die Bundesregierung unterstreicht ihre Bereitschaft, die Zusammenarbeit mit Bolivien in der entwicklungsorientierten Drogenpolitik und der Drogenbekämpfung fortzusetzen und gegebenenfalls zu intensivieren. Dies schließt die bilaterale und multilaterale Projektkooperation ein (Antwort des Staatsministers im Auswärtigen Amt, Dr. Werner Hoyer, auf eine entsprechende schriftliche Frage des Abgeordneten Klaus Barthel vom Januar 2011).

Gegen den Antrag von Bolivien haben von den EU-Staaten Deutschland, Dänemark, Frankreich, Estland, Großbritannien, Italien, Lettland, Slowakei, Malta und Schweden Widerspruch eingelegt.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
N.N.

Update – Die Antwort auf Abgeordnetenwatch

Die Antwort kam am 4.3.2011 und enthält den gleichen Text, welcher mir auch per E-Mail übersendet worden ist.

Banden und Korruption in Deutschland

Wer noch Denkt, dass Drogenbanden und Korruption bei Behörden nur in anderen Staaten vorkomme, kann sich mal den Artikel „Bandidos und Kokain kosten Polizisten die Karriere“ im derWesten anschauen.

Es geht um verratene Dienstgeheimnisse, kriminellen Drogen-Besitz, „Bandidos“-Kontakte und damit für einen Essener Polizisten mittlerweile um Alles: Ein paar Gramm Rauschgift, ein paar illegal weitergegebene Informationen aus dem behördeninternen Datennetz könnten dem 39-Jährigen Beamten aus der Inspektion Nord am Ende den Job kosten. Der Mann steht womöglich vor dem Ende seiner beruflichen Karriere – für acht Portionen Kokain.

Frischer Wind in der Drogenpolitik: Piraten votieren für Suchtpolitik

Es wird langsam eng für die Verbieter: Die Berliner Piratenpartei haben am Wochenende Parteitag abgehalten, auf dem auch drei Abstimmungen zu Drogen und Sucht auf die Tagesordnung kamen. Ich berichte hier nur von dem Antrag, der angenommen wurde. Nach einer kurzen Diskussion und dem Abstimmungsprozedere wurde mit der notwendigen zwei Drittel Mehrheit der Antrag „Suchtpolitisches Grundsatzprogramm“ von Benjamin Meyer und Heide Hagen zur Aufnahme in das Grundsatzprogramm angenommen. Der Antrag wurde mit Hilfe externer Experten von Erowid, der Hanfparade und von Eve & Rave Berlin erarbeitet.

Kernelement ist, dass der Fokus bei der Behandlung des Problems von einer substanzfixierten Drogenpolitik hin zu einer am Verhalten des Menschen orientierten Suchtpolitik verschoben wird. So sei die Ursache von Abhängigkeitserkrankungen nicht die gebrauchten Genussmittel – Substanzen -, sondern das Verhalten der Konsumenten. Die Notwendigkeit, von einer reinen Drogenpolitik (Fokus auf die gebrauchten Substanzen, auch Substantismus genannt) zu einer allgemeinen Suchtpolitik (Fokus auf das Verhalten des Konsumenten, auch Life-Skill genannt) überzugehen, zeige sich nicht zuletzt in der Verbreitung nichtstoffgebundener Süchte, wie Spiel- oder Kaufsucht.

Dabei stehe grundsätzlich die größtmögliche individuelle Freiheit und das kleinstmögliche Eingreifen des Staates im Vordergrund. Die individuelle Freiheit wered durch die bisherige Drogenpolitik massiv beschnitten. Kennzeichen dieser – gescheiterten – Drogenpolitik sind die willkürlichen Verbote bestimmter Genussmittelgruppen, die unsachliche Ächtung einiger psychotrop wirkender Substanzen und die einseitige Fokussierung auf diese.

via drugs soup und taz drogerie blog

Komasaufen mit Mechthild Dyckmans (FDP)

Endlich stellt mal jemand die essentiellen Fragen. Bei der Veranstaltung „Hip Hop gegen Komasaufen“, einem von den Privaten Krankenversicherern mit 10 Millionen Euro unterstützen Kampagne für Jugendliche, war auch das Hanfparaden Aktionsteam. Aber seht selbst, was es für eine Antwort auf eine unerwartete Frage gibt. Ein schönes Stück Standardtext, der insbesondere gut kommt, wenn man der Alkoholindustrie die Regulierung selbst überlässt:

Kosten der Drogenverbote in Deutschland und USA

Maximilian Plenert hat auf seiner Webseite Alternative Drogenpolitik einen Artikel zu den Kosten der Drogenprohibition in den USA und Deutschland geschrieben. Das libertäre Cato Institute hat eine Studie von Jeffrey A. Miron und Katherine Waldock veröffentlicht, in der die Ausgaben für die versuchte Durchsetzung des Drogenverbotes und die entgangenen Steuereinnahmen für die USA berechnet wurden. So lädt derartiges Datenmaterial Max gerade dazu ein, eine Schätzung für die Kosten des Drogenverbotes in Deutschland anzustellen. Je nach These kommt er für Deutschland auf 5,9-23,34 Mrd. USD jährlich.

Wie er darauf kommt, und was er noch für Schlüsse daraus zieht, bei ihm im Artikel: Die Kosten des Drogenverbotes

Piratenpartei veröffentlichte INDECT-Dokumente: EU forscht im Geheimen am Überwachungsstaat

Am Samstag werde ich, die Hanfparade und viele andere zur „Freiheit statt Angst“ Demonstration gehen und gegen den Überwachungsstaat demonstrieren. Dazu passend kommt eine Veröffentlichung der Piratenpartei der sogenannten INDECT-Dokumente. Am 8. September 2010 auf den Seiten der Piratenpartei erstveröffentlicht:

George Orwell’s 1984: The Lost Pages

In Zusammenarbeit mit der deutschen Piratenpartei wurde heute von der futurezone ein enthüllender Artikel über das EU-Projekt INDECT veröffentlicht. Er basiert auf internen Fortschritts- und Planungsdokumenten, die den Piraten zugespielt wurden. Diese werden der Öffentlichkeit bewusst vorenthalten: Aufgrund vielfältiger Kritik beschlossen die Projekt-Verantwortlichen kürzlich sogar eine neue Geheimhaltungsstufe. Welche Daten an die Öffentlichkeit gelangen, beschließt ab jetzt ein INDECT-„Ethikrat“.

Continue reading

Neuseeland: Taktik bei Cannabis ist falsch, sagt ein ehemaliger Polizeibeamter

Als Beispiel für engagierte Polizisten möchte ich heute kurz einen Artikel anreissen, in dem es um einen berenteten Polizeibeamten geht, der damals das nationale Drogenkontrollbüro in Neuseeland geleitet hat und nun sagt, dass die Polizei einen „faktischen Fehler“ mache in der Art, wie sie mit Canabisdelikten umgeht.

Kriminalkommissar Harry Quinn, der 2008 nach 37 Jahren bei der Polizei in Rente gegangen ist, ruft die Beamten in der Polizei auf, eine Debatte über die Cannabisfrage zu führen. Er sei sehr „enttäuscht“, dass niemand in der Organisation vorbereitet sei, darüber zu sprechen. Er sagt, dies werde sogehandhabt, da die Polizei als „politische Zeitbombe“ sehe.

Quinn, der selbst bei der Einheit gegen organisiertes Verbrechen und in zahlreichen Cannabisverfolgungen dabei war, sagte er habe Beschuss bekommen, als er innerhalb der Polzei einen Bericht schrieb, der eine entspanntere vorgehensweise Empfahl, die Verwarnungen an erwachsene Konsumenten auszusprechen enthielt.

Ein ähnliches Modell wurde von der Gesetzeskommission vorgeschlagen, aber die Regierung habe nicht gezeigt, dass sie die Drogengesetze ändern wolle.

Quinns Empfehlungen kommen nach einer Reihe von Hardlineraktionen gegen Cannabis, zu denen auch landesweite Razzien in Läden für Gartenzubehör gehörten.

In der letzten Ausgabe der Norml News, einem Magazin der nationalen Organsation für die Reform der Marihuanagesetze, schriebe Mitglied Stephen McIntyre, dass die Razzien im April ein Signal der Polizei sei, einen „Krieg gegen Cannabis“ zu führen, und dass es vorher ein gewissen Grad an Toleranz für Eigenbedarfsanbauer gegeben habe. Die Gesetzesreformer sagen, dass aus ihrer Sicht die Polizei denkt, das die Regierung grob gegen Verbrechen vorgehe, sie auch alle Arten der Drogenverfolgung durchführen müssten.

Woanders in der Welt bringen die Regierungen entspanntere Einstellungen gegenüber Marihuana zu Tage, wie zum Beispiel US-Präsident Barack Obama, der sagte dass medizinische Nutzer nicht weiter verfolgt werden sollen und die Kalifornier, die in einem Volksbegehren über die Legalisierung von Cannabis entscheiden sollen.

Quinn sagte der Sonntagsausgabe der Star-Times, dass die Cannabisgesetze nicht geändert werden müssten – nur die Art, wie die Polizei diese durchsetzt. Sie sollten jeden der Drogen in der Nähe von Schulen an Jugendliche dealt verhaften und jeden der mit Cannabis in einem Fahrzeug erwischt wird – aber entspannter gegenüber erwachsenen Nutzern sein.

„Wenn jemand der 40 Jahre alt ist seinen Joint mit einem 42-Jahre alten Nachbarn teilt, sollten sie ihnen einfach nur sagen, den Joint auszumachen. Warum sollten wir Zeit verschwenden um Erwachsene wegen Cannabis zu verhaften?“

Er sagt, das Gesetz gegen Drogenmissbrauch differenziere eindeutig zwischen solchen Personen, die an junge Menschen verkaufen und jene, die Erwachsen sind.

„Die Polizei ignoriert es komplett und behandelt alle Straftaten bei Cannabis genau gleich. Ich denke, dies ist ein taktischer Fehler“

Er sagt, dies wäre schlimmer als sich um die Drogen zu sorgen. „Die Waffen der Polizei sollten auf die Drogen gerichtet sein, die das Leben der Menschen beeinflussen und sie töten können – und das ist nicht Cannabis. Es geht nicht um eine Lockerung, es geht nur darum wie mit dem Problem umgegangen wird.“

Kriminalkommissar Paul Tricklebank von der Drogenverfolgungsbehörde sagt, Cannabis wäre schädlich und ein Einstieg zu anderen Drogen. Er sagte, die Polizei jage keine Konsumenten, nur Produzenten, Händler und Gangmitglieder.

15.8.2010 via Sunday Star-Time

Das BtMG ändert sich zu schnell!

Meine neueste Anfrage auf Abgeordnetenwatch an die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) beschäftigt sich mit dem Rythmus, mit dem das Betäubungsmittelgesetz geändert wird. Auf der Webseite buzer.de kann man die Änderungen an Gesetzen mitverfolgen. So stellt sich Heraus, dass das deutsche BtMG mittlerweile alle 70 Tage bis halbes Jahr geändert wird. Den einen Tag kauft man noch einen Dünger im Baumarkt – am nächsten bekommt man dafür Gefängnis. Informiert wird man auch nicht wirklich, was passiert. Wer kommt da als normaler Mensch noch mit? Fragen wir doch mal die Drogenbeauftragte auf Abgeordnetenwatch:

Auf Abgeordnetenwatch kann man sich mit seiner E-Mail Adresse eintragen, und wird benachrichtigt wenn eine Antwort eingetroffen ist. Ich freue mich über viele Mit-Interessierte an dieser Frage!

Mit-Interessieren für die Antwort der Drogenbeauftragen bei Abgeordnetenwatch

Hier der Text der Anfrage:

Werte Frau Dyckmans,

das Betäubungsmittelgesetz und seine Anhänge werden mittlerweile alle 70 Tage bis ein halbes Jahr geändert (siehe auf buzer.de). Welche normalen Menschen sollen dabei noch wissen, ob sie jetzt legal oder illegal handeln?

Wie kann so ein undurchsichtiges Gesetz, welches den Menschen in diesem Land eh kaum nahegebracht werden kann und auch nicht nachgebracht wird, überhaupt noch ohne Überprüfungen bestehen?

mfg

Update

Vor über einem Monat, am 28.7. habe ich diese Frage gestellt. Es interessieren sich zur Zeit 71 weitere drogenpolitisch Interessierte Personen für die Antwort. Wo bleibt die Antwort, Frau Dyckmans? Ist die Frage so schwer?

Seiten: 1 2 3 4 5 6 ... 17 18 19 Nächste Seite