Anthrax-Todesfall bei einem i.v. Drogenkonsumenten in NRW

Aus Nordrhein-Westfalen (Städte Region Aachen) wurde der Fall eines 42-jährigen Mannes übermittelt, der am 13.12.2009 an den Folgen von kutanem Milzbrand verstorben ist. Der Mann hatte sich vermutlich Heroin intravenös in die Kniekehle injiziert. Im Wundabstrich von der Injektionsstelle wurden aerobe Sporenbildner diagnostiziert. Die Verdachtsdiagnose Milzbrand wurde am 18.12.2009 mittels PCR bestätigt. Neben einem chronischen intravenösen Drogenabusus lagen bei dem Verstorbenen eine chronische Hepatitis B und C, eine HIV-Infektion sowie ein chronischer Alkohol- und Benzodiazepinabusus vor.

Im Detail: Am 6.12.2009 wurde der Mann wegen ödematöser Veränderungen im Injektionsbereich und Verdacht auf tiefe Beinvenenthrombose stationär aufgenommen. Eine Computertomographie des Unterschenkels zeigte eine Muskelnekrose mit drohendem Kompartmentsyndrom. In der Folge war eine chirurgische Faszieneröffnung im Bereich des Unter- und Oberschenkels erforderlich, später auch im abdominellen Bereich. Er starb am 13.12.2009 an Multiorganversagen.

In den letzten Wochen wurden aus Schottland wiederholt Fälle von Milzbrand nach intravenösem Heroinabusus bekannt. Bislang haben die schottischen Behörden Kenntnis von 14 Fällen, von denen 7 verstarben (Stand 11.1.2010). Soweit bekannt ist, hatte der Aachener Fall keine direkte Verbindung zu Schottland.

Derzeit lässt sich eine gemeinsame Infektionsquelle für den Fall in Aachen und die Fälle in Schottland nicht ausschließen. Kontaminiertes Heroin könnte somit auch in anderen Bundesländern und europäischen Staaten vertrieben worden sein. Ärzte sollten bei entsprechender Anamnese und klinischem Bild Milzbrand differentialdiagnostisch frühzeitig in Erwägung ziehen, und schon bei Verdacht nach erfolgter Probenentnahme eine Therapie einleiten. Die Prognose der Infektion kann durch eine frühzeitige gezielte Antibiotikatherapie deutlich verbessert werden. Ein Merkblatt mit Kurzinformationen zu Anthrax ist unter folgendem Link bereitgestellt: www.rki.de > Infektionskrankheiten A – Z > Anthrax > Milzbrand (Anthrax) – Kurzinformation

Weitere Informationen finden Sie im RKI-Ratgeber für Ärzte unter folgendem Link: www.rki.de > Infektionsschutz > Biologische Sicherheit > Erreger > Anthrax > Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte

Aufgrund der möglicherweise überregionalen und internationalen Tragweite dieses Geschehens bitten wir um umgehende Benachrichtigung, wenn Sie von aktuellen Fällen oder Fällen aus der Vergangenheit erfahren, die mit diesem Geschehen in Zusammenhang stehen könnten. Wenden Sie sich hierfür bitten an das zuständige Gesundheitsamt vor Ort.

Ansprechpartnerinnen im Robert Koch-Institut sind Frau Dr. Radun (RadunD@rki.de, Tel. 030 18754-3406 oder Mobil 0175/5726606) und Frau Dr. Bernard (BernardH@rki.de, Tel. 030 18754-3173).

Außerhalb der regulären Arbeitszeiten ist das Robert Koch-Institut über die infektionsepidemiologische Rufbereitschaft (Tel. 030 18754-0) zu erreichen. Bei Fragen zur Diagnostik steht Herr PD Dr. Grunow vom Zentrum für Biologische Sicherheit (ZBS) 2 am Robert Koch-Institut zur Verfügung (GrunowR@rki.de, Tel. 030 18754-2100).

Stand: 14.01.2010 Robert Koch-Institut

Ähnliche Beiträge

Video: Das Weltdrogenproblem aus Sicht der UNESCO In diesem Video von der Caritas Drogenkonferenz vom 21.-23. Januar 2009 in Berlin, berichtet der Sprecher Meebob Dada von der UNESCO über ihre sicht a...
Im Westen nichts neues: Haschisch aus Afghanistan Die Tagesschau berichtet heute, dass Afghanistan der größte Haschischproduzent sei. Schon lange versucht die internationale Gemeinschaft, die Hanf und...
UNODC-Jahreskonferenz Wien: Kritisches Rahmenprogr... Vom 10. bis zum 13. März findet in Wien die jährliche Konferenz der UN-Suchtstoffkomission statt. Dort werden die Richtlinien für die kommenden Jahre ...
Videotipp: How Weed Won the West – Official ... Interessante Videos auf Youtube:While California is going bankrupt, one business is booming. "How Weed Won the West" is the story of the growing...