Zahlenspielereien zur Cannabisabhängigkeit im Tagesspiegel zur „geringen Menge“-Diskussion

In der folgenden Meldung aus der Zeitung „Der Tagesspiegel“ vom 18.5.2010 kann man gut sehen, wie die Massenmedien die Leute manipulieren. Schon die Titelzeile ist eine Manipulation: Was ist denn „abhängig sein“ von Cannabis? So sieht es aus in der Welt der Therapeuten: „Abhängig“ ist, wer mehr als 10 mal im Jahr berauschendes Cannabis konsumiert. Damit ist ein Joint pro Monat, vielleicht immer zu Vollmond, ein „abhängiger Konsum“.

Wenn der Tagesspiegel nun schreibt, das 20.000 Personen in Berlin täglich Cannabis konsumieren und in dem nächsten Satz von 14.000 Abhängigen schreibt, kann wohl jeder verstehen, dass besorgten Eltern das Herz in die Hose rutscht. Dabei, mal abgesehen von der seltsamen Definition von „Abhängig“, werden dabei zwei statistische Zahlen vermischt: Wissenschaftlich ist es nicht, einen „Tageswert“ und eine „Jahresstatistik – Abhängig“ zu vermischen, sondern Populistisch.

Kommen wir zum Artikel, weitere Hinweise zur Manipulation zu den Informationen über Drogen nehmen wir immer gerne (z.b. per E-Mail, info@hanfplantage.de) an.

14000 Berliner sind abhängig von Cannabis
Rot-Rot setzt weiter auf liberale Drogenpolitik

Mehr als 20 000 Berliner konsumieren nahezu täglich Cannabis, die am weitesten verbreitete illegale Droge in Deutschland. Von den 3,4 Millionen Hauptstädtern sind laut Landesdrogenbericht von 2008 etwa 14 000 cannabisabhängig. Der Cannabis-Konsum hat in den vergangenen Jahren abgenommen, die Politik setzt bundesweit auf Entkriminalisierung bei dem Konsum von geringen Mengen. In Berlin will Rot-Rot die bisherige Regelung verlängern, bei Eigenbedarf von bis zu zehn Gramm das Ermittlungsverfahren grundsätzlich einzustellen. Bei einer Cannabis-Menge zwischen zehn und 15 Gramm soll auf Strafverfolgung verzichtet werden. Allerdings gibt es Ausnahmen wie der Konsum von Cannabis vor Kindern, auf Spielplätzen, vor Schulen oder wenn die Tat „nachteilige Auswirkungen auf die Sicherheit des öffentlichen Straßenverkehrs befürchten lässt“. So steht es in der von Justiz-, Innen- und Gesundheitsverwaltung gemeinsam unterzeichneten Senatsvorlage, die dem Tagesspiegel vorliegt.

Andreas Gantner, Leiter der auf Cannabis-Sucht spezialisierten Einrichtung „Therapieladen“, hält die Entkriminalisierung der Droge für den richtigen Weg. 30 bis 40 Prozent der Jugendlichen würden irgendwann Drogen ausprobieren – die meisten von ihnen aber nur vorübergehend. Jährlich etwa 250 bis 300 Cannabis-Konsumenten absolvieren in der Einrrichtung, die im Juni ihr 25-jähriges Bestehen feiert, eine Therapie. Das sind die „Langzeit-Kiffer“. Junge Leute dagegen würden sich häufig auf Druck der Eltern vorstellen. Der Wirkstoffgehalt von Tetrahydrocannabiol (THC) liegt in der Regel bei sechs Prozent und ist bis auf Ausnahmen bei einigen Züchtungen in den vergangenen Jahren nicht gestiegen.

Die Polizei ist verpflichtet, den Konsum strafrechtlich zu verfolgen und beschlagnahmt das Cannabis, auch wenn das Verfahren später eingestellt wird. Drogenexperten finden es zwar wünschenswert, wenn die Menge für die Straffreiheit bundesweit einheitlich wäre. Doch ist ihnen auch bewusst, dass diese Mengen angesichts der nicht sichergestellten Cannabis- und Haschischmengen eher marginal sind. sib

Weitere Infos unter:

vvww.therapieladen.de
www.berlin-suchtpraevention.de

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