Wer sind diese Leute? Drogen- und Suchtrat neu gegründet

Veröffentlicht am 10. Januar 2011 von tribble
Diesen Artikel drucken

Das Bundesministerium für Gesundheit hat seine Webseiten umgestaltet, und -wer hätte das gedacht- zu diesem neu konstituierten Drogen- und Suchtrat lässt sich nichts finden. Also hat jemand eine Anfrage bei Abgeordnetenwatch gestartet an die Drogenzarin Mechthild Dyckmans (FDP) um herauszufinden, wer denn dabei eigentlich mitmacht. Wer sind diese Leute, die sich anmassen über unser Leben zu entscheiden?

Der Text der Anfrage:

Werte Abgeordnete Dyckmans,

“Der Drogen- und Suchtrat der 17. Wahlperiode hat in seiner konstituierenden Sitzung am 10. November 2010 seine Arbeit aufgenommen.
Der Drogen- und Suchtrat ist ein beratendes Gremium der Drogenbeauftragten der Bundesregierung. Er setzt sich zusammen aus Experten und Sachverständigen aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Verbänden und Einrichtungen des Gesundheitswesens. (Quelle: Dyckmanns News, 20.12.10)”

Welche Experten und Sachverständige aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Verbänden und Einrichtungen des Gesundheitswesens gehören zu dem Drogen- und Suchtrat?

Ich bitte um eine umfassende Nennung, da ich weder auf Ihren Webseiten, noch des Bundesministeriums für Gesundheit eine Liste oder ein Sitzungsprotokoll gesehen habe.

Warum ist zu diesem, aus unseren Steuergeldern finanzierten Rat, auf den oben genannten Webseiten nichts zu finden?

Update

Und hier ist die Antwort von der Drogenzarin Mechthild Dyckmans (FDP):

Sehr geehrter Herr …,

vielen Dank für Ihre Frage. Im Drogen- und Suchtrat sind alle für die Drogen- und Suchtpolitik der Bundesregierung relevanten Gremien und Organisationen vertreten, die ich Ihnen als Liste gerne anfüge:

* das Bundesministerium für Arbeit und Soziales
* das Bundesministerium der Finanzen
* das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
* das Bundesministerium für Gesundheit
* das Bundesministerium des Innern
* das Bundesministerium der Justiz
* das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
* die Gesundheitsministerkonferenz
* die Innenministerkonferenz
* die Jugendfachministerkonferenz
* die Justizministerkonferenz
* die Kultusministerkonferenz
* die kommunalen Spitzenverbände auf Bundesebene
* die AG Suchthilfe der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden
* die Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (für die Verbände der Suchtkrankenhilfe)
* die Suchtselbsthilfeorganisationen
* die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
* die Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung
* der Fachverbandes Sucht e.V.
* die Bundesagentur für Arbeit
* die Bundesärztekammer
* die Bundespsychotherapeutenkammer
* die Deutschen Rentenversicherung Bund
* der GKV-Spitzenverband
* der Verband der privaten Krankenversicherung
* das Zweite Deutsche Fernsehen für die öffentlich-rechtlichen Medien sowie
* der Verband Privater Rundfunk und Telemedien.

Mit freundlichen Grüßen
Mechthild Dyckmans

Update

Auf Abgeordnetenwatch wurde die “Ergänzung der Antwort” wieder entfert. Vorher stand da:

Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre ergänzende Frage.

Der Drogen- und Suchtrat berät und unterstützt mich bei der Wahrnehmung meiner Aufgaben als Drogenbeauftragte der Bundesregierung. In ihm sind die Ihnen bereits genannten Behörden, Einrichtungen und Organisationen vertreten, die sich von Amts wegen oder aufgrund ihrer Funktion mit dem Thema Drogen und Sucht beschäftigen.

Die Namen der Vertreter der jeweiligen Organisationen werden nicht veröffentlicht. Die Sitzungen sind nach der Geschäftsordnung des Drogen- und Suchtrats nicht öffentlich, daher werden auch die Sitzungsprotokolle nicht veröffentlicht.

Meine Internetseite wird derzeit überarbeitet, daher sind kurzfristig leider keine Informationen über den Drogen- und Suchtrat eingestellt.

Mit freundlichen Grüßen
Mechthild Dyckmans

Mal AB fragen, was da los war….

Update zwei

Auch anderen Personen ist die Geheimniskrämerei um den Drogen- und Suchtrat suspekt und stellen Anfragen an die Drogenzarin bei Abgeordnetenwatch:

Warum besteht der Drogen- und Suchtrat nahezu ausschließlich aus Mitgliedern, die dafür bekannt sind, die strafbewährte Verbotspolitik als obligatorisch und unantastbar zu betrachten?
Sollte ein solcher Rat nicht ausgewogen besetzt sein, somit auch Experten einbeziehen, die für mehr Selbstbestimmung eintreten und Drogenpolitik nach wissenschaftlichen Kriterien ausrichten wollen, deren Auffassung also im Gegensatz zu der des Gesetzgebers steht?

Welchen Grund hat es, dass der Drogen- und Suchtrat keine öffentlichen Sitzungen abhält und die Namen der teilnehmenden Personen geheim gehalten werden? Gilt es etwas zu verbergen,
oder halten Sie es in einem freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat grundsätzlich für unnötig, den Prozess zur politischen Entscheidungsfindung und darin verwickelte Einflussnehmer öffentlich nachvollziehbar zu machen?

Weshalb existiert kein politisch unabhängiges Expertengremium, ähnlich der Drogen- und Suchtkommission, welche im Jahr 2002 mit Ihrer Stellungnahme die herrschende Drogenpolitik scharf kritisierte? (vgl. tinyurl.com )
Könnten gerade diese schlechten Erfahrungen, welche man aus Sicht der Kriminalisierungsbefürworter mit der Drogen- und Suchtkommission machte, für das Fehlen eines politisch unabhängigen Expertengremiums verantwortlich sein?

Update drei

Die zweite Antwort der Drogenzarin Mechthild Dyckmans ist wieder online. Wie mitgeteilt wurde, hat es sich um ein Identitätsproblem des Fragenstellers gehandelt.

Da ich ausserdem ein Problem mit solchen dünnen Antworten habe, habe ich vor kurzem eine Informationsfreiheitsgesetz-Anfrage wegen dem Drogen- und Suchtrat eingereicht. Die Entwicklung dazu gibt es in diesem Artikel: IFG-Anfrage zum Drogen- und Suchtrat beim BMG eingegangen. Ich bin gespannt, ob die Aktenlage wieder so schwach ist, wie bei der Kokablatt-Anfrage oder dem Reuter-Trautmann Bericht.

Update vier

Die Unterlagen des Drogen- und Suchtrates scheinen nicht mehr Geheim zu sein. Die aktuelle Lage der IFG-Anfrage befindet sich in diesem Artikel: Drogen- und Suchtrat nicht mehr geheim?

Ähnliche Artikel:

Klick es! - Deine Stimme für mehr Zuschauende

Mit diesem Link kannst du den Artikel bookmarken bei einem Dienst deiner Wahl. Wenn dir die Infos gefallen, kannst du auch den RSS-Feed abonnieren.

Share

Auf Yigg können die Benutzer selber Nachrichten einstellen, bewerten und kommentieren. Mit einem Yigg oder öffentlichen Lesezeichen (Bookmarks) kannst Du dafür sorgen, dass mehr Menschen diesen Artikel lesen. Du musst Dich dafür noch nicht einmal registrieren. Dafür bitte oben in der Grafik auf "Yigg It" klicken!

5 Kommentare to “Wer sind diese Leute? Drogen- und Suchtrat neu gegründet”

  1. Avatarsebb
    1

    die Drogenbeauftragte hat geantwortet, das ging diesmal sogarr relativ schnell

    Reply to this comment.
  2. Avatartribble
    2
    Author Comment

    die Drogenbeauftragte hat geantwortet, das ging diesmal sogarr relativ schnell

    Stimmt wohl, aber konkret ist diese Liste nicht wirklich….

    Reply to this comment.
  3. pingback pingback:
    3
    IFG-Anfrage zum Drogen- und Suchtrat beim BMG eingegangen

    [...] Heute habe ich die E-Mail vom Bundesministerium für Gesundheit bekommen, dass meine Anfrage zum Drogen- und Suchtrat, insbesondere zur konstituierenden Sitzung im Dezember, eingegangen sei. Dieser wird nun geprüft und man werde sich wieder mit mir in Verbindung setzen. Die IFG-Anfrage scheint nötig, da die Drogenbeauftragte ein Geheimgremium unterhält, welches nicht-öffentliche Sitzungen und Protokolle schreibt. Dies um unser Leben in Sachen Drogen zu lenken – und das wird dann auch noch von unseren Steuergeldern bezahlt. Siehe Hanfplantage: Wer sind diese Leute?. [...]

    Reply to this comment.
  4. AvatarMaximilian
    4

    Die Mitglieder des ersten Drogen- und Suchtrat unter Caspers Merk, hat jemand die Mitglieder unter Bätzing?
    Prof. Dr. Ingo Flenker, Bundesärztekammer
    Ulrich Lorenz, Staatssekretär (Schleswig-Holstein), Innenministerkonferenz
    Prof. Dr. Karl Mann, Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung
    Dr. Peter Fricke Peter Mießen, Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend Bundesministerium der Finanzen
    Ursula Friedrich, Kommunale Spitzenverbände
    Dr. Axel Reimann, Verband der Rentenversicherungsträger
    Alfred Hartenbach, Parlamentarischer Staatssekretär, Bundesministerium für Justiz
    Dr. Reiner Schmitz, Staatsrat (Hamburg), Kultusministerkonferenz
    Dr. Walther Heipertz, Bundesagentur für Arbeit
    Wiebke Schneider, Suchtselbsthilfe
    Rolf Hüllinghorst, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.
    Dieter Schubmann-Wagner, Staatssekretär (Nordrhein-Westfalen), Justizministerkonferenz
    Günter Krause, Bundesministerium des Innern
    Johanna Lichy, Staatssekretärin (Baden-Württemberg), Jugendministerkonferenz
    Hermann Schulte-Sasse, Staatssekretär (Berlin), Gesundheitsministerkonferenz
    Dr. Volker Wanek, Gesetzliche Krankenversicherung

    Reply to this comment.
  5. pingback pingback:
    5
    Drogen- und Suchtrat nicht mehr geheim?

    [...] Hier der Briefwechsel zur IFG-Anfrage zum Drogen- und Suchtrat: [...]

    Reply to this comment.